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Eine alte Kirche erfindet sich neu
7.11.2026

Würgendorf. Dass eine Kirche aus dem 13. Jahrhundert mit moderner Technik und einem neuen Konzept auch Jahrzehnte nach dem letzten Gottesdienst immer noch Menschen anzieht, kommt nicht oft vor. In Würgendorf im südlichen Siegerland ist das der Fall.
Wer sich dem robusten Bau nähert, denkt sicherlich nicht an ein digitales Erleben im Innern. Und doch beinhaltet die Kirche ein umfassendes System, das sich ganz nach den Bedürfnissen der Besucher richtet – je nach Stimmung und Anlass.
Wer die digitale Tafel berührt, hat die Wahl: Andachten zu verschiedenen Anlässen und passende Musik ertönen zwischen den jahrhundertealten Mauern. Der Chorraum wird plötzlich ausgeleuchtet. Erst gelb, dann orange.
„Mediales Kirchensystem“ ist der nüchterne Name für die Technik, die die Kirche zwischen März und Oktober täglich zu einem Ort der Besinnung werden lässt – ganz ohne Gottesdienst oder Andacht.
So bunt und lebendig war die Kirche vor einigen Jahrzehnten nicht. Die letzten kirchlichen Amtshandlungen fanden 1970 und 1971 in der Kirche statt. 1971 dann die letzte Hochzeit. Es wurde still um die Kirche. Denn die wachsende Kirchengemeinde fand in der alten Kirche nicht genügend Platz. Und so entstand die Ev. Kirche am Südhang, die noch heute für die meisten Gottesdienste genutzt wird.

Doch die Wehrkirche in Würgendorf geriet weder in Vergessenheit, noch wurde sie entwidmet. Neben der evangelisch-reformierten Kirchengemeinde Burbach hatte auch der Heimatverein Würgendorf ein Auge auf die historische Kirche.
Der Heimatverein Würgendorf entschloss sich zu umfangreichen Sanierungen im Jahr 2007 – in Abstimmung mit der Kirchengemeinde. Decke, Wände, Wandmalereien und barocke Holzausstattung erleuchteten in frischen Farben. Die Bänke gepolstert, der Boden gründlich gereinigt, neue Heizung und Lampen. Auch im Außenbereich brachte man die Kirche in einen Top-Zustand. All das wurde mit unzähligen Stunden ehrenamtlicher Arbeit gestemmt.
Der Heimatverein engagiert sich auch heute für die Kirche, die als Mittelpunkt und Wahrzeichen des Dorfes gilt. So macht der Verein eines klar: „Als eine der ältesten Kirchen des Siegerlandes hat unsere Wehrkirche die Jahrhunderte gut überstanden und ist Teil der Geschichte unseres Ortes, ein herausragendes Kulturerbe und steinerne Zeuge des Glaubens unserer Vorfahren.“ Die Kirche soll, geht es nach dem Willen des Heimatvereins, auch kommenden Generationen erhalten bleiben.
Die Renovierung war ein Initialfunken dafür, dass die Kirche wieder genutzt wurde. Hochzeiten und Taufen finden in beiden Kirchen Würgendorfs statt. Menschen, die in der Wehrkirche getraut wurden, lassen sich zur goldenen Hochzeit gerne segnen. Auch die Adventsandachten sind beliebt. Es sind Beispiele dafür, wie die Wehrkirche im Herzen Würgendorfs immer wieder genutzt wird.
Seit 2022 ist die Wehrkirche für viele Menschen ein Anlaufpunkt, obwohl kein Gottesdienst stattfindet. Dazu trägt die neue Nutzung bei – Stichwort „Mediales Kirchensystem“. Auf die Idee brachte die Kirchengemeinde Sibylle Wahl, die im Süden Deutschlands ein solches System kennenlernte.
Auch ihr Mann, Pfarrer Jochen Wahl, begeisterte sich für das System. Mit dem Presbyterium im Rücken entschied sich die Kirchengemeinde dazu, 15.000 Euro zu investieren, unterstützt durch eine 80-Prozent-Förderung des Bundes, des Landes und des Regionalvereins Leader-Region Drei-Länder-Eck.
Jörg Furchtmann, seines Zeichens Presbyter, Mitglied des Heimatvereins und Techniker in Personalunion, installierte das System. Es bietet Musik und Andachten zu verschiedenen Themen. „Der Inhalt wurde an die Bedürfnisse vor Ort angepasst“, berichtet Jörg Furchtmann. Wer möchte, kann sich über das System auch über die Geschichte des Ortes informieren lassen. Weitere Funktionen und Beiträge können jederzeit eingespielt werden. „Wir haben bisher nur positives Feedback erhalten. Das spiegelt das Gästebuch auch wider“, betont Jörg Furchtmann.
Mit dem Herbst geht die offene Kirche in Winterpause. Doch die Gemeinde kommt in der alten Wehrkapelle auch in der kalten Jahreszeit zusammen. Die Adventsandachten in der historischen Kirche sind sehr beliebt. Die finden in diesem Jahr am 4., 11. und 18. Dezember statt – immer freitags, immer um 19.30 Uhr. /cv


