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Reformationsgottesdienst zu Ehren von Paul Gerhardt
7.11.2026

Der Reformationstag ist für evangelische Christen ein besonderer Tag. Ein Tag, den die Evangelische Kirchengemeinde um den Kindelsberg mit einem ganz besonderen Gottesdienst feierte.
Paul Gerhardt (1607–1676), Pfarrer und berühmter Kirchenlieddichter, wurde von der Kirchengemeinde gemeinsam mit zwei Chören in der Evangelischen Kirche in Buschhütten geehrt. Unter der Leitung von André Neef avancierte der Gottesdienst zu einem musikalischen Höhepunkt.
„Die Kirchengemeinde um den Kindelsberg hat wirklich alles aufgeboten, um uns einen schönen Abend zu bereiten“, freute sich auch Kerstin Grünert, Superintendentin des Kirchenkreises Wittgenstein. Sie begleitete den Gottesdienst. Als erfahrene Pfarrerin verriet Kerstin Grünert ein Merkmal des Pfarrers und Komponisten Gerhardt – wenn auch augenzwinkernd: „Wir wissen alle: Wenn ein Lied elf Strophen hat, haben wir es mit ziemlicher Sicherheit mit einem Lied Gerhardts zu tun.“
In drei Predigtteilen ging sie auf die Bedeutung der Reformation ein. Dabei verband sie die Botschaften der Reformation passend mit Liedern Paul Gerhardts wie etwa „Befiehl du deine Wege“ und „Warum sollt ich mich denn grämen“. Superintendentin Kerstin Grünert ging auch auf den Jubilar und seine Musik ein. „Paul Gerhardts Lieder sind 350 Jahre nach seinem Tod noch immer lebendig. Ihre Sprache ist uns manchmal fremd geworden, manche Bilder müssen wir heute erst wieder erschließen. Und dennoch finden Menschen in ihnen Worte für ihre eigenen Erfahrungen: für Freude und Dankbarkeit, für Angst und Trauer, für Vertrauen und Hoffnung.“
Die leitende Theologin des Evangelischen Kirchenkreises Siegen-Wittgenstein sprach dabei von einem bemerkenswerten Erbe der Reformation. Luther wollte, dass Menschen das Evangelium selbst hören, verstehen und bekennen können. „Deshalb wurde die Bibel in die Sprache der Menschen übersetzt. Deshalb bekam auch das gemeinsame Singen eine so große Bedeutung. Der Glaube sollte im Leben der Menschen ankommen.“

Sie betonte, dass eine Kirche, die von Gottes Gnade spricht, sich der Verantwortung für eigenes Versagen nicht entziehen darf. Und eine Kirche, die Freiheit verkündigt, müsse selbst bereit sein, sich verändern zu lassen.
„Darin liegt eine anspruchsvolle, aber auch befreiende Perspektive für unsere Gegenwart. Wir müssen die Zukunft unserer Kirche nicht aus eigener Kraft sichern. Aber wir tragen Verantwortung für das, was uns anvertraut ist. Wir müssen Entscheidungen treffen, Neues wagen und auch loslassen, wo es notwendig wird. Und bei allem, was uns dabei beschäftigt, sollten wir eines nicht verlieren: die Freude am Glauben“, so Kerstin Grünert. Damit schuf sie die Verbindung zu einem weiteren bekannten Lied Paul Gerhardts: „Paul Gerhardt hat dafür in seinem wohl bekanntesten Lied wunderbare Worte gefunden: ‚Geh aus, mein Herz, und suche Freud.‘“
Das sei mehr als die Einladung zu einem Spaziergang durch die sommerliche Natur – es sei eine Aufforderung, die Augen zu öffnen für das, was Gott uns schenkt: für die Schönheit der Schöpfung, für das Leben, das wächst, und für die Möglichkeiten, die sich uns eröffnen. Gerhardt, der Krieg, Krankheit und persönliche Verluste erlebt hatte, wusste, wie zerbrechlich das Leben ist.
Superintendentin Kerstin Grünert stellte klar: Reformation bleibt eine Aufgabe. Sie fordere die Menschen auf, immer wieder neu nach dem Evangelium zu fragen und daraus das eigene Leben und die Kirche zu gestalten. Paul Gerhardt habe dafür Worte gefunden, die bis heute klingen. „Unsere Aufgabe ist es, diese Botschaft in unserer Zeit hörbar und erfahrbar zu machen.“
Und genau das taten die Hunderte Besucherinnen und Besucher gemeinsam mit den Chören: Sie stimmten mit ein und verbanden Paul Gerhardts Lieder und Gedanken mit dem Hier und Jetzt.
André Neef dirigierte einen großen Projektchor, der sich im Frühjahr zusammengefunden hatte. Gut 60 Sängerinnen und Sänger begeisterten die Gottesdienstbesucherinnen und -besucher. Das gelang auch dem Posaunenchor unter der Leitung von Rainer Schmeling. Musikerinnen und Musiker aus Fellinghausen und Buschhütten sorgten für den richtigen Klang.
Für den Projektchor war es eine Premiere vor großem Publikum. „Ich habe im Frühjahr gelesen, dass Paul Gerhardt vor 350 Jahren verstorben ist. So starteten die Vorbereitungen“, berichtet André Neef.
Er schätzt Paul Gerhardt als einen der bedeutendsten Liederdichter. Zwar sei die Sprache nach 350 Jahren nicht mehr ganz gebräuchlich. Doch durch die sehr bildreiche und passende Wortwahl komme die Botschaft immer noch an: „Gerhardts Texte haben, an passender Stelle eingesetzt, uns immer noch etwas zu sagen.“ /cv


