News
Evangelische Kirchengemeinde Olpe verabschiedet Pfarrer Andreas Chaikowski
4.11.2026
Die Evangelische Kirchengemeinde Olpe muss Lebewohl sagen. Pfarrer Andreas Chaikowski ist seit dem Wochenende im Ruhestand. Andreas Chaikowski verabschiedete sich am Reformationstag von seiner Gemeinde.
Die Entpflichtung nahm für den Kreissynodalvorstand der Kreuztaler Pfarrer Thies Friederichs vor. Seine Verabschiedung, so Andreas Chaikowski bescheiden, sei ein Teil des Gottesdienstes. Doch es war klar, dass das „Kind des Ruhrgebiets“, wie ihn Thies Friederichs bezeichnete, auch in zweieinhalb Jahren Spuren hinterlassen hat. Die Kirche war gut besucht und das Gemeindehaus im Anschluss auch.
Der Pfarrer Andreas Chaikowski ging dann auch konsequent zum Reformationsgottesdienst über: „Am Reformationstag feiern wir einen Gottesdienst mit dem Versuch der Vergegenwärtigung dessen, was Martin Luther und seine Mitstreiterinnen und Mitstreiter in Bewegung gebracht haben.“
Mit Blick auf Matthäus 10,26–33 thematisierte der scheidende Pfarrer die Angst der Freunde und Jünger, als er sie letztlich zur Nachfolge in die Welt sendete. Denn die Botschaft Jesu sei neu gewesen, radikal. „Sie rührte an den Wurzeln der menschlichen Existenz. Gott schafft alle Menschen mit gleichem Wert, Gott liebt seine Schöpfung.“ Die Jünger wären voller Angst gewesen. „Denn sie wussten, das wollen nicht alle hören“, so der Pfarrer Chaikowski. Das hat sich bis heute nicht geändert, wenn sich Autoritäten in ihren Kompetenzen in Frage gestellt sehen und kritisiert werden.
Als Beispiel nannte Andreas Chaikowski seine Erfahrungen aus einem kürzlich erfolgten Besuch in Erfurt. Dort besuchte der scheidende Olper Pfarrer die Evangelische Kirche von Mitteldeutschland. Er habe Tobias Schlüter, Regionalbischof in Erfurt, zugehört. Und das zu einer Zeit, als Tobias Rausch zum Landtagspräsidenten und von Thomas Tillschneider (beide AfD) zum Vizepräsidenten gewählt wurden. Tillschneider sei ein „bekennender Kirchenhasser“, stellte Chaikowski klar.

Die von „unserer Wessirunde geforderte klare Kante“ habe Tobias Schlüter zurückgewiesen. Mit Blick auf viele Gruppen und Einrichtungen, die „bis zu 90 Prozent“ von Landesmitteln gefördert würden, müsse die Kirche in Sachsen-Anhalt auch mit einer zukünftigen AfD-geführten Landesregierung sprechen.
Andreas Chaikowski zitierte den Regionalbischof weiter: „Wenn wir als evangelische Kirche anfangen, uns nur um uns zu sorgen, dann sind wir schon auf dem falschen Weg.“ Man solle eher auf die Ränder schauen, die man im Dunkeln nicht sieht.
Klare Positionen wie Gerechtigkeit und Frieden, die Bewahrung der Schöpfung und der Dialog – all das passt zu Pfarrer Andreas Chaikowski, untermauerte Pfarrer Thies Friederichs. Er verabschiedete Andreas Chaikowski im Namen des Ev. Kirchenkreises Siegen-Wittgenstein aus dem aktiven Dienst.
„Es ist dir anzumerken, dass du dich auf den Ruhestand freust. Und nach all den Jahren darf diese Freude auch im Raum sein“, sagte Pfarrer Thies Friederichs. Heute freue man sich für Andreas Chaikowski, auch wenn man eine Träne im Knopfloch habe.
Pfarrer Thies Friederichs macht im Wirken von seinem Freund und Kollegen Andreas Chaikowski einen roten Faden aus: „Der Glaube sollte für dich mehr sein als nur eine Sache des Sonntags. Er sollte Folgen haben, für die Menschen und die Gesellschaft, in der Welt, in der wir leben.“
Der Lebensweg führte von Wanne-Eickel zum Studium und dann verschiedenen Pfarrstellen bis nach Olpe, darunter auch Schalke. Der in der „Nähe von Dortmund aufgewachsene“ Thies Friederichs musste dann auch verkünden, dass sein Kollege ein Dauerkartenbesitzer des Schalke 04 ist.
Der Knappe Andreas Chaikowski lernte seine Frau Ute übrigens in einem Hebräisch-Kurs im Studium kennen, verriet Thies Friederichs, der mit einem Augenzwinkern ausführte: „Und ich darf Ihnen, die sie vielleicht kein Hebräisch gelernt haben, versichern, dass es romantischere Orte als einen Hebräisch-Kurs gibt.“
Aus der Freundschaft zwischen Ute und Andreas Chaikowski wurde ein Wir, ein Paar, das in der Gemeinde in Wattenscheid viel Neues anstieß. „Ihr habt mit anderen Menschen ausprobiert, was passiert, wenn eine Gemeinde sich nicht fragt, wie sie weitermacht, sondern auch fragt, wofür sie da ist“, betonte Friederichs.
Der Weg führt schließlich nach Kreuztal, dann nach Olpe. Thies Friederichs: „Ihr seid nach Südwestfalen gekommen, was ein Glück für uns alle und für mich auch ganz persönlich ist. Wir beide haben in Kreuztal zusammengearbeitet. Aus der Arbeit ist Freundschaft geworden.“
„Du bist einer, der geerdet ist, ein Ruhepol, eine ehrliche Haut“, betonte Thies Friederichs. In Olpe hat Pfarrer Andreas Chaikowski nochmal Verantwortung übernommen. „Und das war nicht wenig. Du hast davon gesprochen, viele Bälle gleichzeitig in der Luft halten zu müssen“, so Thies Friederichs. Es sei gut, dass sein Freund nun die Verantwortung abgeben dürfe.
Zweieinhalb Jahre währte die letzte Station von Pfarrer Andreas Chaikowski. „Heute danken wir Gott für das, was wachsen durfte. Und für deinen Dienst, für deine Treue, deine Ruhe, deine Energie, deinen Tiefgang und deine Freundschaft“, untermauerte Thies Friederichs.
Abschied nahm auch die Gemeinde. Stellvertretend für die Evangelische Kirchengemeinde Olpe gaben Mitglieder des Presbyteriums ihrem Pfarrer Segenswünsche mit auf dem Weg. Und damit dieser Schritt auch an jenem Reformationstag etwas leichter fiel, durfte Musik nicht fehlen. Der Gospelchor „Upstairs“ begeisterte die Gemeinde wie auch Eckhart Oltmanns an der Orgel. /cv



