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Frauenforum feiert 10-jähriges Bestehen im LYZ in Siegen
28.9.2026

Donnerstagabend in Siegen, eine volle Aula im Kulturhaus LYZ. In der ersten Reihe Gäste wie NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) und Landrat Andreas Müller (SPD). Auch Erika Denker, die vor 10 Jahren den Grundstein für das Frauenforum Siegen-Wittgenstein legte, ist zur Jubiläumsveranstaltung in Siegen gekommen.
Zehn Jahre Frauenforum
„Es macht glücklich, gemeinsam etwas zu erreichen“, erläutert Beate Schmies, eine von zwei Sprecherinnen des FrauenForums in ihrer Begrüßungsrede. Unterschiedliche Temperamente und unterschiedliche politische Einstellungen kämen für ein gemeinsames Ziel zusammen. „Das ist gelebte Demokratie.“ Im Saal gibt es Applaus für so viel Frauenpower.
Immer wieder besingt an diesem Abend Sängerin Ulrike Wesely mit spitzem Humor das „stärkere Geschlecht“, gibt Hoffnung und Mut für mehr starke, weibliche Persönlichkeiten und vermittelt die tiefe Sehnsucht für Gleichberechtigung und Frieden. Unterstützt wird sie dabei von Pianistin Eiko Takahashi.
Zur Jubiläumsveranstaltung hat sich das Netzwerk einem brisanten und aktuellen Thema gewidmet: „Gewalt an Frauen“. Damit einher geht der dringende Appell des Frauenforums an die anwesenden Politikerinnen und Politiker: „Investieren Sie in präventive Maßnahmen.“ Wer gefährliche Entwicklungen erkenne, müsse weniger Schäden beheben, verstärkt Schmies in ihrer Rede die Aufforderung.
Anerkennung aus der Politik
Andreas Müller, Landrat des Kreises Siegen-Wittgenstein, lobt die Vernetzung der Frauenverbände und betont ihre Wichtigkeit. Denn jeden dritten Tag werde eine Frau ermordet. Diese Zahlen bilden jedoch nur 5 Prozent der realistischen Zahlen ab, so eine Dunkelfeldstudie. „Das Anliegen des Frauenforums ist also drängender als je zuvor“, so Müller.
Als Schirmherr des FrauenForums macht NRW-Innenminister Herbert Reul deutlich, dass vor allem das Gemeinschaftliche in der Gesellschaft wieder mehr Bedeutung brauche – und dass das Frauenforum eine wichtige Lücke schließe. 56.000 Frauen in NRW wurden 2023 Opfer häuslicher Gewalt, die Dunkelziffer dürfte höher sein. „Wird diese Gewalt nicht gestoppt, kann sie tödlich enden“, macht Reul deutlich. „Und dieses Problem müssen wir benennen, damit wir es Schritt für Schritt lösen können“. Schon im Kleinen könne jeder etwas tun: „Wenn jeder hinschaut, haben weniger weggeschaut.“ Zehn Jahre Frauenforum bedeute auch die Bereitschaft, zehn Jahre hinzuschauen, lobt Reul.
„Sie geben Frauen eine Stimme, Sie schaffen Öffentlichkeit für Themen, die zu lange hinter verschlossenen Türen waren.“
„Ich gebe betroffenen Frauen eine Stimme“, sagt Frauenaktivistin Alice Westphal zu Beginn der Podiumsdiskussion zum Thema „Gewalt an Frauen“. Sie erzählt ihre ganz persönlichen Erlebnisse – beginnend in der Kindheit.
Westphal ist mehrfach Opfer von häuslicher Gewalt geworden, hat auch sexuelle Übergriffe erleben müssen. Ihre Schicksalsgeschichte lässt das Publikum erstarren. Eine jede und ein jeder wird in diesem Moment im LYZ tief geschluckt haben. Westphal macht mit ihrem Auftreten aber auch gleichzeitig Mut, Kraft zu entwickeln, aus dem Sog der Gewalt herauszukommen. Sie hat es mit starkem Willen und viel Sport mit inzwischen 70 Jahren ganz gut geschafft.
Hier schließt sich die Arbeit von Katharina Heinrich an. Sie ist Sozialarbeiterin bei Mädchen in Not e.V. in Kreuztal. Sie betreut Mädchen und Frauen von drei bis 27 Jahren. Die Fälle würden mehr, die Warteliste wäre lang - zu lang, um allen helfen zu können. Sie und ihr Team versuchen, die Betroffenen zu stärken, ihnen die Sicherheit zu geben, dass man wieder fühlen dürfe, auch wenn man traumatisch erlebt hat.
Kriminalkommissarin Susanne Otto kennt aus ihrer täglichen Arbeit der Kriminalprävention und dem Opferschutz sexualisierter Gewalt die Fälle, die zur Anzeige gebracht werden und sieht eine wichtige Entwicklung. „Wenn wir zu einem Streit gerufen werden und selbst, wenn die Frau rechtliche Schritte in der Konfliktsituation ablehnt, muss heute immer eine Anzeige erstattet werden. Die erstatten dann wir, als Polizei. Das war früher nicht so.“
Männer haben Angst
Angst im weitesten Sinne haben auch Männer. Angst davor, keine „echten Männer“ zu sein. So beschreibt es Daniel Schulte, Jungen- und Männerberater der KSD Olpe. „Ständig seine Männlichkeit beweisen zu müssen, macht Druck“, erläutert Schulte. Ein Mann sei eigentlich eine Konstruktion. „Jungen kriegen vielerorts noch immer die traditionelle Männlichkeit anerzogen.“ Oft führe eine Hilflosigkeit bei Männern zu Gewalt, erklärt Schulte weiter.
Gewalt an Frauen ist gesamtgesellschaftliches Problem
Ein Jubiläum in Siegen, dass jeden einzelnen in Deutschland angeht: Gewalt an Frauen ist ein gesamtgesellschaftliches Problem: Beratungsstellen, die keine Kapazitäten haben, soziale Strukturen, die Frauen spätestens zur Familiengründung in eine Abhängigkeit drängen, Erwartungen an Männer, immer stark zu sein.
„Ich vermisse einen männlichen Schulterschluss“, sagt Alice Westphal. Es könne doch nicht sein, dass Männer nicht mit den Frauen laut werden. Erst dann könne sich etwas ändern. „Und wir als FrauenForum kämpfen dafür“, so Beate Schmies – der Ausblick in die Motivation für die nächsten zehn Jahre Frauenforum Siegen-Wittgenstein. /Beate Schmies


