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Bestürzung über Schändung des jüdischen Friedhofs

10.8.2026

© Kirchenkreis Siegen-Wittgenstein
Superintendentin Kerstin Grünert nimmt Stellung.

Der jüdische Friedhof von Bad Berleburg ist Schauplatz mehrerer antisemitischer Taten geworden. Der Staatsschutz ermittelt. Laut Kreispolizeibehörde Siegen-Wittgenstein sägten Unbekannte am frühen Morgen des 6. August den Davidstern vom Denkmal für die ermordeten jüdischen Mitbürger in Bad Berleburg ab. Wie die Behörde weiter mitteilt, gab es noch einen weiteren Vorfall. In unmittelbarer Nähe der jüdischen Gräber wurde am oder vor dem 1. August Erde ausgehoben.

 

Die Superintendentin des Kirchenkreises Siegen-Wittgenstein, Kerstin Grünert, nimmt Stellung: „Die Schändung des jüdischen Friedhofs in Bad Berleburg erfüllt mich mit großer Bestürzung. Die Beschädigung von Gräbern und Zeichen des Gedenkens ist ein Angriff auf einen Ort, an dem Menschen ihrer Verstorbenen gedenken und an dem Geschichte sichtbar bleibt."

© Kirchenkreis Siegen-Wittgenstein
Geschändetes Denkmal am Fuße des jüdischen Friedhofs.

Sie betont: "Friedhöfe sind besondere Orte. Sie geben Trauer und Erinnerung einen Raum. Sie bewahren Namen und Lebensgeschichten und führen uns vor Augen, dass Menschen vor uns gelebt, gehofft, geliebt und gelitten haben. Wie wir mit solchen Orten umgehen, sagt deshalb auch etwas darüber aus, wie wir als Gesellschaft mit unserer Geschichte und miteinander umgehen. Orte und Formen des Gedenkens können sich verändern – die Verantwortung für einen würdevollen Umgang mit den Verstorbenen und ihrer Geschichte bleibt.

 

Für jüdische Friedhöfe kommt eine besondere historische Dimension hinzu. Sie sind Zeugnisse jahrhundertelangen jüdischen Lebens in unseren Städten und Gemeinden. In Deutschland erinnern sie zugleich an Ausgrenzung und Verfolgung und an die Ermordung jüdischer Menschen während der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft. Diese Geschichte verpflichtet uns. Jüdische Erinnerungsorte verdienen unseren besonderen Schutz und unsere Aufmerksamkeit.

 

Als Superintendentin und als Christin weiß ich dabei auch um die besondere Verantwortung unserer evangelischen Kirche. Zu unserer Geschichte gehören Schuld und Versagen gegenüber Jüdinnen und Juden. Daraus erwächst eine bleibende Verpflichtung: Antisemitismus darf in unserer Kirche und in unserer Gesellschaft keinen Platz haben. Wo jüdisches Leben angegriffen oder jüdisches Gedenken geschändet wird, dürfen wir nicht schweigen.

 

Erinnerungskultur erschöpft sich für mich jedoch nicht im Bewahren von Steinen und Orten. Sie ist vor allem eine Frage unserer Haltung und unseres Handelns. Sie stellt uns immer wieder neu vor die Frage, welche Verantwortung wir für das übernehmen, was unter uns Menschen geschieht. Sehen wir hin, wenn andere ausgegrenzt werden? Widersprechen wir, wenn Menschen abgewertet werden? Bewahren wir die Geschichten derer, die nicht mehr selbst sprechen können? Und sind wir bereit, aus unserer Geschichte Konsequenzen für unser Handeln heute zu ziehen?

 

Ich wünsche mir, dass der jüdische Friedhof in Bad Berleburg wieder ein geschützter Ort der Ruhe und des Gedenkens sein kann. Und ich wünsche mir, dass dieser erschütternde Vorfall uns neu bewusst macht: Erinnerungskultur ist eine gemeinsame Aufgabe. Sie braucht unsere Aufmerksamkeit und unsere Bereitschaft, Verantwortung füreinander zu übernehmen und entschieden gegen Antisemitismus, Menschenfeindlichkeit und die Missachtung menschlicher Würde einzutreten.“ /KKA

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