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Von "Anker-Zeiten" und "Emmaus-Momenten" - neuer Pfarrer in Emmaus-Kirchengemeinde
25.6.2026

Die Evangelisch-Reformierte Emmausgemeinde Siegen hat einen neuen Pfarrer. Jörg-Stefan Tiessen wurde am 3. Sonntag nach Trinitatis in der Eiserfelder Trinitatiskirche eingeführt. In einem festlichen Gottesdienst, bei dem spürbar war, wie glücklich sowohl die Gemeinde als auch der Kirchenkreis Siegen-Wittgenstein als auch der neue Seelsorger selbst darüber waren, einander gesucht und – auch mit Gottes Hilfe – gefunden zu haben.
Herzlich willkommen hieß ihn zunächst Pastor Michael Goldau als Amtskollege und Presbyteriumsvorsitzender, herzlich willkommen gleichfalls Superintendentin Kerstin Grünert, die Verbindendes auch geografisch aufspürte. Lange Zeit sei Jörg-Stefan Tiessen in Bremen tätig gewesen, an der Weser, die über die Fulda durchaus vom Wasser der Eder, im Siegerländer-Wittgensteiner Grenzland entspringend, gespeist werde. Kerstin Grünert wünschte dem neuen Pfarrer, dass er samt seiner Familie in „Emmaus“ einen „sicheren und guten Ort“ finden möge und mit daran arbeiten könne, dass die Gemeinde „beständig in einer Zeit, wo sich so vieles ändert“, bleibe.
Jörg-Stefan Tiessen, 1967 in Detmold geboren, studierte Ev. Theologie in Wuppertal, Hermannsburg, Göttingen und Bochum. Nach seinem Vikariat in Lemgo und einer Anstellung als Pastor im Hilfsdienst in Brake wurde er 2001 ordiniert und Pastor der ev.-ref. Marktkirchengemeinde in Lage. Später wechselte er in die Bremische Ev. Kirche, wirkte dort zuletzt in der Ev. Kirchengemeinde Bremen-Blumenthal.
Der neue Pfarrer, seit dem 1. Juni im Amt, und auch seine neue Gemeinde bekräftigten gegenseitig, dass sie füreinander da sein möchten. Ermutigende Bibelworte sprachen dem Geistlichen langjährige und neue Weggefährtinnen und Weggefährten zu: Prädikantin Anke Degenhardt, CVJM-Vorsitzender Lucas Wiegel, Pastor Stefan Schmidt von der Freien ev. Gemeinde und als Koordinator der Ev. Allianz, Lothar Leinbaum von der Ev.-freikirchlichen Gemeinde im südniedersächsischen Northeim, Studienkollegin Sabine Müller-Ostermann und Superintendentin Kerstin Grünert. Nach der Einsegnung bekräftigte die Gemeinde all das mit einem dankbaren, langen Applaus.
Verse aus dem 6. Kapitel des Hebräer-Briefs, gelesen von Ulrike Nickel, waren Grundlage für die Predigt von Jörg-Stefan Tiessen. Auch mit Bezug auf das zuvor gesungene gemeinsame Lied „Anker in der Zeit“ von Albert Frey machte der Pfarrer Mut, „Ankerzeiten“ im Leben zu nutzen. In solchen Zeiten einer „erfüllten und erfüllenden Stille“ liege die Chance, „Wortberührungen“ zu erfahren, Augenblicke, in denen Gottes Wort lebendig werde und mitten hineinspreche in die je eigene Situation.
Das mache den „Macher zum Seelenmenschen“, führe „vom Außen zum Innen“. „Emmaus-Momente“ nannte der neue Emmaus-Pfarrer diese Zeiten, in denen Gottes Gegenwart besonders spürbar werde, und zwar an einem allerheiligsten Ort, nicht sichtbar, aber doch wahrnehmbar als ein Haltepunkt, „ein verlässlicher Ankerpunkt in den bewegenden Zeiten“ des Lebens.
„Der Anker hat einen Namen: Jesus Christus. Er ist fest mit dem himmlischen Vater verbunden und wir mit ihm. Jesus Christus ist das Wort, in dem Gott zu uns spricht.“ So mahnte Jörg-Stefan Tiessen die „Ankerwache“ an, einen „geistlichen Bereitschaftsdienst“, zu dem er seine neue Gemeinde ausdrücklich einlud und ermunterte.
Es war zu spüren, wie sehr es dem Pfarrer daran gelegen ist, Beziehungen zu knüpfen zu den Menschen am Ort, wie engagiert er gemeinsam mit anderen für Glaube und geistliche Gemeinschaft werben möchte. Durchaus mit dem Blick in die Weite: Die später eingesammelte Klingelbeutelkollekte sollte bestimmt sein für die tapfer ausharrenden Christinnen und Christen der Kirchengemeinde in der ukrainischen Stadt Krementschuk. „Ihnen wollen wir Hoffnung geben“, so Jörg-Stefan Tiessen.

All das Gesagte und Gehörte fand ein wunderschönes Echo in den warmen-weichen Klängen von Emmaus Brass. „Für den König“ war einer der instrumental dargebotenen Anbetungssongs, die regelrecht unter die Haut gingen. Das Bläserensemble aus dem Siegener Süden begleitete unter Leitung von Jörg Heinbach im Wechsel mit Organist Hermann Plate auch die gemeinsamen Lieder.
Im Anschluss an den Gottesdienst war Gelegenheit zum Austausch im ev. Gemeindehaus an der Eiserntalstraße. Es gab Reibekuchen und Bäckel, mit guter Butter, süßer Marmelade und Eierkäse. Weil auch im Siegerland die Liebe durch den Magen geht!
Claudia Irle-Utsch

