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Superintendentin Kerstin Grünert: „Wenn die Hoffnung größer wird“

5.4.2026

Ostern beginnt nicht mit Jubel. Nicht mit Halleluja. Nicht mit Posaunen.

Es beginnt mit Angst. Mit Frauen, die in der Morgendämmerung zum Grab gehen – schweren Herzens, mit zitternden Händen und einem Stein vor Augen, der größer ist als ihre Kraft. Sie wissen nicht, wie sie ihn bewegen sollen. Sie wissen nicht, wie sie mit dem umgehen sollen, was sie am meisten fürchten: den endgültigen Verlust.

 

Und doch gehen sie.

 

Vielleicht, weil Liebe stärker ist als Resignation. Vielleicht, weil man manchmal einfach losgehen muss – auch wenn alles in einem sagt: „Bleib stehen.”

 

Als die Frauen am Grab ankommen, ist der Stein weggerollt. Und als der Engel erscheint, erschrecken sie. Ihre Angst wird nicht kleiner, sondern größer. Das ist ehrlich. Und tief menschlich. Manchmal macht Licht die Dunkelheit ja erst bewusst.

Der Engel sagt nicht: „Ihr dürft keine Angst haben.“ Er sagt: „Eure Angst bestimmt euch nicht. Ihr seid nicht allein.“ Ostern erwartet nicht Furchtlosigkeit. Ostern schenkt Gegen-wart. Der Stein ist weggerollt, bevor die Frauen ihre Frage aussprechen konnten: „Wer wird uns helfen?“ Ostern heißt: Gott ist uns voraus. Hoffnung wächst nicht durch unsere Stärke, sondern durch Gottes Liebe. Die Frauen fliehen zuerst – und doch werden sie später zu Zeuginnen des Lebens. Nicht statt der Angst, sondern mit ihr.

 

Vielleicht ist das der eigentliche Osterweg:

Nicht perfekt. Nicht unerschrocken. Aber getragen von einer Hoffnung, die größer ist als alles, was uns niederdrückt. Der Tod verliert seine Macht. Die Dunkelheit bekommt Grenzen. Die Zukunft öffnet sich. Wir müssen die Angst nicht besiegen. Aber wir dürfen ihr etwas entgegensetzen: Hoffnung.

 

Ostern macht die Angst nicht einfach kleiner. Aber die Hoffnung wird größer.

Gott rollt Steine weg, die wir nicht bewegen können. Gott ruft ins Leben, wenn wir im Dunkeln stehen. Gott spricht: „Fürchte dich nicht – ich bin da.“

 

Christus ist auferstanden. Er ist wahrhaftig auferstanden. Halleluja.

 

/Superintendentin Kerstin Grünert

 

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