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Nah an den Menschen: Sieben Gemeindeschwestern folgen im Siegerland einer echten Tradition

7.3.2026

© Sonja Sabel/ privat
Sonja Sabel steht in der Tradition der Gemeindeschwestern des Mutterhauses in Witten.

Wilnsdorf/ Witten. Gemeindeschwester Sonja Sabel sitzt mit Laptop am Besprechungstisch im alten Pfarrhaus der Ev. Reformierten Kirchengemeinde in Rödgen-Wilnsdorf. Nebenan bereiten ehrenamtliche Helferinnen und Helfer den Mittagstisch vor.

Mit dem Blick auf die im Februar winterlichen Verhältnisse würden wohl weniger Menschen kommen, schätzt Sonja Sabel. Sie kennt ihre Gemeinde, die Menschen dort draußen in Rödgen, Wilnsdorf, Anzhausen, Flammersbach, Niederdielfen, Oberdielfen, Wilden, Wilgersdorf und Obersdorf.

Bei den Menschen und in der Gemeinde zu sein, ist eine der wichtigen Aufgaben von Sonja Sabel. Als Gemeindeschwester kennt sie die soziale Lage in den kleinen Städten und Dörfern und ist gut vernetzt. Sonja Sabel berichtet begeistert vom lebendigen Gemeindeleben in der Ev. Kirchengemeinde Rödgen-Wilnsdorf. Abseits der Gottesdienste gehören da auch das Büchercafé als Mehrgenerationentreffpunkt und der Mittagstisch „Warm ums Herz“ dazu.

„Die Aufgaben der Gemeindeschwestern unterscheiden sich von Gemeinde zu Gemeinde“, berichtet Sonja Sabel. Sie selbst steht zum Beispiel für das Büchercafé, die Seniorenarbeit und für die Mitarbeit im Seniorennetzwerk „Gemeinsam leben“. Andere Gemeindeschwestern wie Andrea Burrows (Burbach) sind in der Trauerbegleitung und im Trauercafé tätig.

 

Flüchtlingsarbeit als Beginn des eigenen diakonischen Wegs

 

Ihr persönlicher Weg führte Sonja Sabel übrigens über die Flüchtlingsarbeit der Kirchengemeinde Rödgen-Wilnsdorf zur diakonischen Arbeit. Im Zuge ihres Engagements unterbreitete ihr Pfarrer Christoph Otminghaus den Vorschlag, eine Stelle als Gemeindeschwester anzustreben.

Wie wichtig die Arbeit von Sonja Sabel als Gemeindeschwester ist, untermauert die Wilnsdorfer Pfarrerin Rebecca Müller: „Sonja Sabel ist für die Gemeinde eine unglaubliche Bereicherung. Viele Arbeitsfelder würden ohne sie so nicht existieren.“ 

Rebecca Müller blickt mit Freude auf die zahlreichen Kontakte, die es Sonja Sabel ermöglichen, auch Menschen anzusprechen und zur ehrenamtlichen Mitarbeit zu bewegen, die erst einmal wenig Anknüpfungspunkte mit der Ev. Kirche haben. „Da ist die der Mittagstisch „Warm ums Herz“ das beste Beispiel“, berichtete Pfarrerin Rebecca Müller.

 

Seit 10 Jahren für die Menschen da

 

Seit zehn Jahren ist Sonja Sabel nun Gemeindeschwester im Siegerland. Es ist ein moderner Weg, den sieben Gemeindeschwestern im Siegerland beschritten haben. „Wichtig ist dabei, dass die Frauen eine abgeschlossene Berufsausbildung haben und Lebenserfahrung mitbringen“, betont Sonja Sabel. Die Gemeindeschwestern absolvieren berufsbegleitend eine 3-jährige diakonisch-theologische Weiterbildung zur Gemeindeschwester.

Allen gemein ist die enge Bindung an die Wittener Schwesternschaft, der Heimat der Gemeindeschwestern. Dort verbringt auch Sonja Sabel einen Teil ihrer Arbeitszeit. Sie ist mittlerweile Koordinatorin für die Gemeindeschwestern und das Projekt „GemeindeSchwester“.

© Sonja Sabel/ privat
Sonja Sabel steht in der Tradition der Gemeindeschwestern des Mutterhauses in Witten.

Das Projekt gilt als moderne Nachfolge der Tradition der Gemeindeschwester oder Diakonisse, die Theodor Fliedner in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts gegründet hat. Mit der Gründung des Mutterhauses in Witten 1890 wurden auch bald junge Frauen im Siegerland als Krankenpflegerinnen und als Erzieherinnen ausgebildet. Sie hatten so bereits im 19. Jahrhundert die Möglichkeit, einen eigenständigen Beruf auszuüben. 

Und heute? Das Wittener Mutterhaus leitete 2010 das Projekt „GemeindeSchwester“ ein. Was mit fünf Frauen begann, ist nun mit aktuell 55 Gemeindeschwestern zu einem echten Erfolgsprojekt mit moderner Ausrichtung geworden. Sie stehen für die neue Generation der Gemeindeschwestern. „Wir haben Familie und leben unabhängig vom Mutterhaus unser Leben“, schildert Sonja Sabel. Dem Mutterhaus sei man aber weiter verbunden. „Es ist unser Rückhalt´.“

Im Zuge des Projektes „GemeindeSchwester“ werden auch heute noch Gemeindeschwestern ausgebildet. Diakonisch-theologische Grundlagen sind Teil der dreijährigen, berufsbegleitenden Ausbildung.

Wen das Thema „GemeindeSchwester“ oder Diakonisch-theologische Weiterbildung interessiert, darf sich gerne bei Sonja Sabel unter sonja.sabel@dwr.de melden. Die Weiterbildung startet jedes Jahr im Februar und umfasst zehn Module, die in Blockwochen angeboten werden. /cv 

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