Pilgern

Mehr als einfach nur Wandern...

Pilgern heißt: Beten mit den Füßen...

"Bietet Ihr auch in diesem Jahr wieder eine große Pilger-Tour an?" 

 

Diese Frage müssen wir, was das Jahr 2026 betrifft, mit einem bedauernden "Leider nein" beantworten. 

 

Allerdings sind bereits Planungen im Gange für eine große Irland-Tour in 2027 mit Nicole Schmallenbach und Lothar Schulte. Unverbindliche Interessensbekundungen nehmen wir schon jetzt gern entgegen! 

 

Die gute Nachricht ist: In Kooperation mit dem Frauenausschuss unseres Kirchenkreises bieten wir im August ein Fahrrad-Pilgern an mit Simone Stahl, die derzeit eine Pilgerbegleit-Ausbildung absolviert. 

 

 

"Das Leben ist wie Fahrradfahren..."

Pilgertour per Rad

 

"Das Leben ist wie Fahrradfahren.

Um das Gleichgewicht zu halten, musst du in Bewegung bleiben."

(Albert Einstein)

 

Nicht alle sind gesundheitlich gut zu Fuß. Manchen fällt das Laufen schwer. Ihnen kann das Fahrrad zu einer Türe in die Welt des Pilgerns werden. Mit dem Rad zu pilgern hat man andere Pilgererfahrungen als zu Fuß, aber auch diese Wege können eine große Faszination und Tiefe gewinnen.

 

Strecke: Siegen --Marienborn - Feuersbach - Deuz - Netphen - Dreis-Tiefenbach - Siegen, ca. 30 km, 170 Höhenmeter 

 

Wann: 08.08.2026, 10 Uhr

Treffpunkt: Jakob-Scheiner-Platz, Siegen

Dauer: ca. 5 Stunden mit Pausen. Besuch der Licht(der)Kirche in Deuz möglich

Kondition: mittel- gut, E-bike und Biobiker willkommen!

Leitung: Simone Stahl

Anmeldeschluss: 25.07.2026

Anmeldung: per Email: frauenreferat@kirchenkreis-siegen.de oder telefonisch: 0271-50040 (Dagmar Burgsteiner)

 

Hier geht es zum gesamten Programm des Frauenreferates. 

 
Ein Rückblick auf die Pilger-Studienreise 2025

... auf dem Franziskusweg von Florenz nach Assisi

 

Wege, Ziele, Intentionen… 
Der Weg zu Fuß bringt auch die Seele in Bewegung. Das gleichförmige Gehen, eine Bewegung, die so tief in uns verwurzelt ist, dass wir darüber nicht mehr nachdenken müssen, und die gleichzeitig so „langsam“ ist, dass unsere Aufmerksamkeit nicht übermäßig gefordert ist, gibt uns die Möglichkeit, den Blick nach innen wandern zu lassen…Gerade in der heutigen Zeit eine sehr erholsame, erdende Erfahrung , die umso wohltuender ist, je mehr wir von virtuellen, künstlichen Welten umgeben sind und je schneller, komplexer und unüberschaubarer unsere Alltagswelt wird. 
Pilgern heißt, ein Ziel zu haben und auf dem Weg dorthin unterwegs zu sein. Pilgern heißt, als Fremder auf unbekannten Pfaden zu wandeln – offen und Neuem zugewandt.  


Einer der schönsten europäischen Pilgerwege ist der Franziskusweg. Er verbindet jene Orte, an denen der heilige Franz von Assisi gelebt und gewirkt hat, und zwar auf Wegen, die er selbst beschritten haben soll. Er ist nicht nur einsamer, sondern auch deutlich anstrengender als der Jakobsweg. Unser Ausgangspunkt ist Florenz. Genauer gesagt, die Basilika Santa Croce, die 1294 dort erbaut wurde, wo in den zwanziger Jahren des gleichen Jahrhunderts Franziskaner-mönche ein Kloster gegründet hatten. Der hl. Franziskus soll Florenz mindestens einmal, im Jahr 1217, besucht haben, berichten franziskanische Quellen.

 

Durch toskanische Landschaft, sanfte Hügel und dichte Wälder ging es nach einem kurzen Abstecher in die Region Emilia-Romagna durch den Nationalpark Foreste Casentinesi, eine Oase der Natur und der Stille zwischen der Toskana und der Emilia-Romagna. In den dichten und urwüchsigen Wäldern verbergen sich Einsiedeleien und Klöster, wie La Verna und Camaldoli, die als Orte der Spiritualität und Meditation entstanden sind. Dort sind wir nicht nur „vorbeigekommen“, sondern sind eingekehrt und haben dort übernachten. Wir folgten dem Verlauf des Appenin weiter und erreichten schließlich Umbrien, wo wir inmitten unberührt erscheinender Natur unzählige pittoreske Bergdörfer streiften, in denen die Zeit scheinbar stehengeblieben ist.  

© @pixabay

Was uns erwartet hatte… 
Pilgern heißt, sich auf das Notwendige zu reduzieren, den Blick auf Wesentliches zu lenken. Das galt auf unserem Weg nicht nur für das Gepäck, sondern auch für die Unterkünfte. Wir waren in der Regel in Zwei- oder Mehrbettzimmern in Klöstern, Einsiedeleien, Agriturismi und Gasthäusern untergebracht – manchmal war aber auch ein unerwartet komfortables Hotel unsere Station für die Nacht. 

 

Pilgern heißt außerdem, der Schöpfung nahezukommen, sich als Teil eines Großen und Ganzen zu fühlen. Deshalb sind wir möglichst klimafreundlich mit der Bahn angereist – auch, wenn dies etwas länger dauert und vielleicht ein klein wenig strapaziöser ist… 

 

Und dann ist Pilgern auch ein Weg nach Innen. Für die Andachten und den „geistlichen Input“ auf dem Weg war Pfarrer Lothar Schulte zuständig.  
Manche Routenlängen waren nicht beliebig wählbar, sondern in ihrer Länge durch den Min-destabstand zweier Unterbringungsmöglichkeiten vorgegeben.   
Sofern frei wählbar, betrug die täglichen Wanderstrecken um die 15 bis 25 km. Körperliche Fitness war notwendig. Denn auch bei den relativ kurzen Streckenabschnitten galt es, nicht die zurückzulegenden Höhenmeter zu unterschätzen. 
Als wir nach 16 Wandertagen schließlich in Assisi angekommen sind, gab uns ein dreitägiger Aufenthalt im Geburts- und Sterbeort die Möglichkeit, uns ein wenig von den Strapazen des Gehens zu erholen und uns auf die Rückkehr ins Alltagsleben vorzubereiten. 

 

„Beim Gehen geht es nicht nur darum, sich physisch von einem Ort zum anderen in der Außenwelt zu bewegen. Beim Gehen findet man sich auch in der Welt der Seele wieder, der inneren Welt, die wir weniger kennen und die es schön ist, Schritt für Schritt zu entdecken. Zum einen sind körperliches Training und sportliche Vorbereitung gefragt, zum anderen nützliche Fähigkeiten wie Neugier beim Suchen, Zuhören, Ausdauer beim Verfolgen. 
Auf diese Weise wird das Gehen zu einem mächtigen Werkzeug, um zu lesen und zu verstehen, was auf den Seiten des Lebens vor und nach unserem geschrieben steht. 
Das Gehen in der Außenwelt wird im Laufe der Jahre schwierig und ermüdend, während das Gehen in der Welt der Seele kein Ende hat und ein Leben lang dauern kann". 


( Aus "Wandern auf der Via Francigena. 1.400.000 Schritte vom Großen Sankt Bernhard nach Rom" von Giuliano Mari - Ed.Maria Grazia Bulgarini ).  

 

 

 

 

 

 

Auf uralten Pilger- und Handelwegen in die Goldene Stadt

Eine Pilger-Studienreise in Zusammenarbeit mit der Ev. Kirchengemeinde Dreieinigkeit, Netphen

 

Panorama Prag

"Niemand würde glauben, wie schön Prag in der Nacht ist, im Glanz des Mondes. Die Menschen schlummern, die Steine sind lebendig geworden, auch in die Standbilder auf der Karlsbrücke kommt Leben. Der Hradcin,  schon am Tage majestätisch erhaben, ist bei Nacht noch erhabener. Umflort von der Farbe der Finsternis, erhebt er sich hoch in den endlosen Himmel, und sein Turm, steil aufragend, reicht bis an die funkelnden Sterne. Die Moldau rauscht hymnisch, über ihrem Tal steht der Mond, der sich so manchmal von dem herrlichen Anblick nicht trennen kann; er schaut und schaut, bis ihn die eifersüchtige Sonne verscheucht." 

Jan Neruda tschechischer Journalist, Dichter und Schriftsteller 1834-1891

 

Prag, die Goldene Stadt


Bereits vor knapp 1500 Jahren wanderten Slawen nach Böhmen ein und ließen sich auf dem heutigen Stadtgebiet nieder. Deutsche sowie jüdische Kaufleute und Handwerker folgten ab dem 9.Jh. und die ersten christlichen Kirchen wurden im Prager Becken errichtet. Die älteste, unzerstört erhaltene Synagoge befindet sich ebenfalls in Prag: die Altneu-Synagoge aus dem 13.Jh. Und von Beginn an ist die Geschichte Prags eng mit dem Judentum verbunden.
Am Schnittpunkt zweier alter wichtiger Handelsrouten liegend, ist Prag von Beginn an Handelsstadt gewesen. Schon im 9. Jahrhundert führte die Via Publica - eine sog. Altstraße -von Prag über Nürnberg, Würzburg, Frankfurt a.M. bis Brüssel und diente im Mittelalter als Pilger- und Handelsroute für die Ortschaften Köln, Frank-furt a.M., Nürnberg und Regensburg. Ab dem Mittelalter führte dann auch eine zentrale Verbindungsstrecke durch Prag, die von Krakau bis Rom führte. Zu dieser Zeit war Prag eine der größten Städte Europas. In dieser Hochzeit des Pilgerns wurde Prag unter Kaiser Karl IV (Mitte 14.Jh.) wurde Prag dann auch zur "Hauptstadt des "Heiligen Römischen Reiches" erklärt. Kaiser Karl IV war es auch, der die "Heilige Lanze" als Machtsymbol wiederentdeckte, ihre Echtheit und Bedeutung vom Papst bestätigen ließ und kurzerhand einen neuen Festtag etablierte, der gleich zum allgemeinen Feiertag im Heiligen Römischen Reich bestimmt wurde. Einmal im Jahr wurde (ab dem Jahr 1354) nun diese Heilige Lanze, zusammen mit den anderen Reichsinsignien auf einem hölzernen Turm öffentlich zur Schau gestellt - dadurch wurde Prag schnell zu einem der bedeutendsten Pilgerzentrum Mitteleuropas.

 

 

Der Weg


Das Ziel, dem wir entgegenlaufen ist die eine Sache, der Weg dorthin die andere, nicht weniger wichtige. Wir starten in Görlitz und passieren dann entlang der polnischen Grenze einige bekannte und jahrhundertealte Städte der Lausitz, bevor wir über die Region Liberec (Reichenberger Land) und Nordböhmen Prag erreichen. Dabei verbinden wir alte Wegführungen miteinander: Den Zittauer Jakobsweg, die alte Kaiserstraße und den Böhmischen Steig. Das Zittauer Gebirge werden wir ebenso durchstreifen, wie das Polomené hory, das Kummergebirge und das Kokorschiner Tal. Ein Weg, auf dem viele Naturschönheiten und -besonderheiten zu bestaunen sind.

 

 

Was uns erwartet hat...


Pilgern ist eine Form des Minimalismus; wir sind zwar spirituell und irgendwie auch metaphorisch unterwegs, aber eben auch physisch. Das bedeutet, dass das Gepäck auf das Notwendigste reduziert werden sollte und ein gewisses Maß an körperlicher Fitness einfach notwendig ist. Die täglichen Wanderstrecken betragen um die 20 bis 25 km. Manchmal jedoch gibt der Abstand zwischen zwei Übernachtungsmöglichkeiten eine Streckenlänge einfach vor. Auch wenn wir häufig in Pensionen und Klöstern übernachten, sind auch sehr einfache Herbergen dazwischen und das eine oder andere Mal müssen wir uns selbst versorgen.


Wir durchwandern geschichtsträchtiger Landstriche - geschichtsträchtig im doppelten Sinne: zum einen im Hinblick auf die Historie, aber auch sondern auch auf ihre Narrative. Die eine lässt unser eigenes Leben zu einem Fingerschnippen der Weltgeschichte werden, die anderen verraten uns eine Menge über Menschen, Bräuche und Kultur.

 

Für die Impulse und den "geistlichen Input" auf dem Weg aber auch für die vielen Geschichten zu den Orten und Gegenden, die wir durchlaufen, ist Pfarrer Lothar Schulte zuständig.

 

 

 

 

Rückblick auf die Pilgerreise 2023: Den Geist Schottlands entdecken

© Bildrechte: Ev. Kirchengemeinde Dreieinigkeit
Pilgergruppe "Den Geist Schottlands entdecken"

Wieder zurück. – Endlich? Zum Glück?

 

Nicole Schmallenbach, die zusammen mit Pfr. Lothar Schulte vom 19. Mail - 10. Juni 2023 die Pilgerreise "Den Geist Schottlands entdecken" geleitet hat schreibt:

 

"Auch, wenn alle sehr müde nach einem langen Tag und 18 Stunden Zugfahrt wieder in Siegen gelandet sind, fiel der Abschied schwer und die Heimkehrfreude war verhalten. Zu schön, aufwühlend und intensiv waren die gemeinsamen drei Wochen auf Wanderschaft, um sich so plötzlich und für absehbar längere Zeit zu trennen.

 

Und so hieß es dann auch nicht nur „Tschüss“, „Komm gut nach Hause“, oder „melde dich mal, wenn du in Siegen bist“, sondern „bis zum nächsten Mal“. Und auch, wenn es bei den meisten bei diesem spontan geäußerten Wunsch bleiben wird und niemand weiß, was im nächsten Jahr ist, spiegelt sich darin schon vieles von dem wider, was wir an Erinnerungen; Erleben und Gefühlen mit nach Hause genommen haben.  

 

Und sobald die Wäsche gewaschen, das Reisegepäck wieder für ein Jahr lang verstaut und die liegengebliebene Arbeit verrichtet ist, wird ein kleiner Reisebericht folgen…

 

Nachtrag am 14. August 2023: Dieser Bericht liegt inzwischen vor. Er trägt den Titel "Highlands, Lowlands und ´ne Menge Geister" und ist auf unserem Blog nachzulesen. Bitte anklicken - aber Vorsicht: ihn zu lesen kann akute Pilger-Lust auslösen!

 

Die Pilgerreise erfolgte in Kooperation mit der Ev. Kirchengemeinde Dreieinigkeit.

 

Das Foto unten zeigt Oban, der Hafenstadt, von der aus Ioan erreicht werden kann. Auf Iona steht die Wiege des schottischen Christentums. Ein Ort faszinierender Spiritualität, nach wie vor.

© Bildrechte: Ev. Kirchengemeinde Dreieinigkeit

Pilgern heißt...

 

... auf dem Weg sein - mit mir selbst, mit anderen und mit Gott. Und das bei Wind und Wetter.

... mich beschränken auf das Wesentliche. Den Augenblick wahrnehmen, meine Gedanken schweifen lassen, mir Zeit nehmen für die kleinen Dinge am Wegesrand.

 

Pilgern bietet eine Auszeit der ganz besonderen Art und die Chance etwas über mich selbst und das Geheimnis des Lebens zu entdecken, das in der Betriebsamkeit des Alltags allzu leicht verloren geht.

 

Pilgern bedeutet: Beten mit den Füßen.

 

 

Pilgern in der Gruppe braucht qualifizierte Leitung.

 

Unsere Pilger-Studienreisen werden geleitet von Nicole Schmallenbach und Pfr. Lothar Schulte. Beide haben den Zertifikatskurs "Pilgerbegleitung" des Ev. Erwachsenenbildungswerkes erfolgreich abgeschlossen.

Nicole Schmallenbach

 

lebt in einem Ortsteil von Netphen und arbeitet sowohl haupt-, als auch ehrenamtlich seit vielen Jahren mit in der Ev. Kirchengemeinde Netphen (inzwischen mit den Kirchengemeinden Dreis-Tiefenbach und Deuz fusioniert zur Ev. Kirchengemeinde Dreieinigkeit).

 

Sie studierte Politikwissenschaften, Soziologie und angewandete Sprachwissenschaften. Sie liebt es gemeinsam mit anderen unter freiem Himmel unterwegs zu sein und hat sich zur zertifizierten Pilgerbegleiterin ausbilden lassen.

 

 

 

 

Lothar Schulte

 

lebt in Netphen und arbeitet als Gefängnispfarrer an der Haftanstalt in Attendorn.

 

Er mag es, neue Orte und Landschaften zu erkunden, am Liebsten gemeinsam mit anderen im Rhythmus des Pilgerns.

 

 

 

 

Simone Stahl

 

liebt es, im Freien unterwegs zu sein, sie engagiert sich seit vielen Jahren im Frauenausschuss des Ev. Kirchenkreises Siegen-Wittgenstein. Sehr viel Freude hat sie an der Fortbildung zur Pilgerbegleiterin, die sie zurzeit bei der Ev. Erwachsenen- und Familienbildung Westfalen-Lippe e.V. absolviert.

© Nicole Schmallenbach, Pilgerbegleiterin
© Pfarrer Lothar Schulte, Pilgerbegleiter

 

 

 

 

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