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Ein feste Burg in Krisenzeiten - Vortrag zum Reformationstag
4.11.2026

Alt-Superintendent Peter-Thomas Stuberg, der von 2012 bis 2024 im Evangelischen Kirchenkreis Siegen-Wittgenstein wirkte, war der Einladung gefolgt anlässlich des Reformationstages in der Ev. Martinikirche in Siegen einen Vortrag zu halten. Die Überschrift des Vortrags „Ein feste Burg in Krisenzeiten“ erinnerte die rund 50 Besucher mit den ersten Worten an das bekannte Lied Luthers und verband gleichzeitig das Gefühl vieler Menschen, in einer Krisenzeit zu leben. Schließlich waren für diesen Tag Demonstrationen der Gen Z regelt angekündigt, die auf Missstände, auf Krisen in unserer Gesellschaft hinweisen sollten.
So hatte schon der Beginn des Vortages eine fast hoffnungsvolle, eine tröstliche Seite. Der Theologe erzählte von dem Geschenk eines Coesfelder Künstlers, auf dem zu lesen war: „Tell me your dream!“ – inspiriert von der berühmten Rede von Martin Luther King, in der dieser sagte: „I have a dream“. Es war eine kraftvolle, eine visionäre, eine hoffnungsvolle Rede. Träume können helfen, sie können Kräfte freisetzen, sie nehmen Glück vorweg. „Haben Sie noch solche Träume?“, fragte Stuberg angesichts der gesellschaftlichen und der politischen Entwicklungen. M. L. Kings Traum endete tödlich, er starb durch die Kugel eines Attentäters. „Was hilft gegen eine solche Ernüchterung, die auch vor der Kirche nicht Halt macht?“ fragte Stuberg weiter. Äußere Fakten wie sinkende Gemeindegliederzahlen und heruntergehende Finanzen sind sichtbar, aber auch der Kern von Kirche, ihr Glaube fehlt offenkundig immer weniger Menschen. Das ernüchtert, wenn Menschen ganz viel Kraft und Liebe einsetzen, aber die Netze eher leer bleiben. Gelingt es in dieser Ernüchterung noch von etwas Besserem zu träumen? Aus eigener Kraft sicher nicht. So lautet die Botschaft des Reformationstages: Du bekommst alle deine Kraft, deine Zuversicht, dein Hoffen allein aus dem WORT heraus. Der Psalm 46, der gelesen wurde, war der Grundstein für Luthers bekanntes Lied „Ein feste Burg ist unser Gott“. „Je mehr wir diesen Psalm auf uns wirken lassen, verändert sich der Ton, die Stimmung. Er wirkt gegen die Negativspiralen und gegen die Alpträume. Wir brauchen diese geistliche Energie“, so der Alt-Superintendent. Es bedarf dazu nicht zwingend fester Mauern, wie ihm der Besuch der Klosterstätte Ihlow zeigte. Die alten Mauern existieren nicht mehr, lediglich ein Stahlgerüst zeichnet das Kloster nach. Und doch kann man in diesem Raum die Substanz der Kirche erspüren. Vielleicht gerade, weil alles weg ist. Menschen brauchen diese Imagination der Kirche. Stuberg sieht hier eine Parallele zu Luther, auch Luther verspürte Leere, Ernüchterung. Die Pest tobte, sein Sohn erkrankte. Und doch blieb er trotzig, entschlossen an der Seite Gottes. Zeiten ohne Ausblick sind uns nicht fremd. So wie die rund 400 Stahlarbeiter in Geisweid, denen 2028 das Feuer ausgemacht werden soll. Der Theologe betonte, er habe keine Lösung parat, nur die Botschaft des Psalms daneben zu legen. Im Risiko erweise sich Gott so wie eine Burg, aus der die Zugbrücke herunterlassen wird, sagte Luther. Stuberg ergänzt, „unsere Kirche ist keine Burg, die Wirtschaft auch nicht. Unser Gott ist eine Burg. Sie besteht nicht aus Steinen. Sie besteht aus dem Wort. Die gesungenen Worte werden wahr, auch wenn sie noch nicht Wirklichkeit sind. In der Burg können wir uns eingestehen, dass wir Schwächen haben, nicht nur Stärken. Weder Glaube noch Unglaube verstärkt oder vermindert, was Gott für uns getan hat in Christus. Gott wirkt, ER will entdeckt werden. Abseits der Routine. Du bist richtig, auch wenn du etwas falsch machst. Du bist geliebt, du bist gehalten. Vielleicht strahlt genau das aus. Eine feste Burg, das ist Gott.“ Diese Zusage schenkt Hoffnung und Trost.

Durch den Abend führte Pfarrer Stefan König, es musizierte Dr. Mathias Scheer an der Orgel und als Lektorin wirkte Maren Heide mit.
Kerstin König

