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Stadtkirche in Bad Laasphe: Die Wurzeln liegen im benachbarten Hessen
23.10.2026

„Wir sind hier im ältesten Teil der Kirche. Hier hat die Kirche ihren Ursprung.“ Das sagen Katja Heinzelmann und Alex Pfeil, Kirchenführer aus dem Arbeitskreis „Offene Kirche“. Der gebürtige Laaspher Alex Pfeil zeigt auf eine zugemauerte Tür, die Teil des Seitenschiffs ist.
Die Tür kündet noch von echtem romanischem Stil und damit von der ersten Bauphase der Laaspher Kirche, da sind sich Katja Heinzelmann und Alex Pfeil sicher. Es ist Bad Laasphes bekannte evangelische Stadtkirche, das Zentrum einer Gemeinde, die ihre Wurzeln in Hessen hat.
Das heutige Seitenschiff war wohl mit dem Turm der erste ummauerte Raum, der Anfang des 13. Jahrhunderts errichtet wurde: eine kleine Kapelle mit Turm im Westen.
Katja Heinzelmann: „Die Kirche ist vielleicht noch älter. Die Urpfarrei gehörte zu Breidenbach. Die Kirche dort ist aus dem 10. Jahrhundert. Wenn das die Urpfarrei war, gab es hier in Laasphe sicher schon früher Gottesdienste.“ Fest steht, dass die Bad Laaspher Kirche das älteste Gebäude der ehemaligen Residenzstadt ist.
„Die Chroniken der Kirche erwähnen einen ersten Pfarrer in Bad Laasphe im Jahr 1213,“ berichtet Alex Pfeil. Das 13. Jahrhundert war noch nicht vorbei, da baute die Laaspher Kirchengemeinde bereits das Hauptschiff im frühen gotischen Stil an.
Jahrhunderte vergingen, die Reformation kam ins Lahntal, das Erscheinungsbild der großen Stadtkirche veränderte sich deutlich. Spuren davon befinden sich auch verborgen unter dem aktuellen Deckanstrich. Katja Heinzelmann: „Fresken-Malereien sind vorhanden. Es wäre aber zu teuer gewesen, sie zu sanieren und sichtbar zu machen.“
Auch Alex Pfeil kann sich noch erinnern, die Malereien in der Nähe des Kanzelbereichs bei der Renovierung gesehen zu haben. Diese Wandmalereien seien, so wie in Feudingen und anderen Kirchen in Wittgenstein, aus vorreformatorischer Zeit.

Die Kirche war immer wichtig für die Stadtbevölkerung und auch für das Haus zu Sayn-Wittgenstein-Hohenstein, deren Fürsten bis heute ihre Patronatsherren sind. So blieb die Kirche lange Zeit Grablege des heimischen Adels. Die erste Krypta befand sich bis etwa 1650 unter dem Chorraum. Diese wurde 1838 zugemauert. Später richtete man dort die neue Heizanlage ein.
Eine neue Grablege entstand in einem Anbau, der bis 1815 als Krypta diente. Darüber befand sich die Kirchschule. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Särge aus der Krypta auf einen eigenen Friedhof unterhalb des Schlosses Wittgenstein umgebettet.
Die Kirchschule wurde auch in protestantischen Zeiten fortgesetzt. Katja Heinzelmann: „Die alten Prinzessinnen legten Wert auf christliche Unterweisung.“ Bemerkenswert: Noch in den 50er Jahren unterrichteten die Laaspher Pfarrer die Konfirmanden in dem Raum der Kirchschule. Daran erinnert sich noch Alex Pfeil, der in der Stadtkirche konfirmiert wurde.
„Wenn die Kirche wirklich voll besetzt ist, können bis zu 450 Menschen Platz finden“, weiß Alex Pfeil zu berichten. Dann aber sei die Sicht zum Chorraum teilweise eingeschränkt. „Die alten Säulen und Ecken stehen dann auch mal im Weg und behindern so den Blick zur Kanzel."
Die Stadtkirche ist bis heute Patronatskirche mit Verbindung zum Haus Sayn-Wittgenstein-Hohenstein. So hat Bad Laasphe wie Bad Berleburg noch eine Fürstenloge.
Nach dem Aufstieg zur Empore lässt sich eine Tür öffnen und ermöglicht so den Blick auf eine mit hellen Stühlen ausgestattete Loge, von der man das Kirchschiff gut überschauen kann. Die „Fürstenbühne“ wird auch heute noch gelegentlich genutzt.
Was es heute nicht mehr gibt, sind die kleinen Nebenaltäre aus katholischer Zeit. Diese befanden sich in den Seitenflügeln der Kirche. So hat sich auch die alte Stadtkirche im Laufe der Zeit verändert. Alex Pfeil erinnert sich an einen Blauton, der die Kirche früher geprägt hat und ihr eine dunkle Atmosphäre verlieh. Erst in den 60er- oder 70er-Jahren kam der freundliche weiß-rötliche Farbton auf die Mauern.
Wer Zeit mitbringt, kann sich selbst auf die Suche begeben oder fachkundigen Menschen zuhören, die regelmäßig durch die Kirche führen. Denn es gibt viel zu entdecken.
Da sind Grabplatten, die vom Tod des Grafen Johannes I. von Sayn-Wittgenstein und seiner Gemahlin künden – eine Sandsteinplatte, die seit 1412 in der Kirche steht. Jüngere Grabplatten stammen aus dem 16. Jahrhundert. Eine andere Platte bedeckte einst das Grab des Superintendenten Friedrich Schmidt im Erker des Kirchengebäudes, der 1885 verstarb. Bemerkenswert sind auch die Stuckarbeiten am Deckengewölbe, die mit Darstellungen des Pelikans und der Weintraube tiefe christliche Symbolik manifestieren.
Die Kirche ist im Rahmen des Projektes „Offene Kirche“ in der Woche jeweils am Dienstag- und Donnerstagnachmittag von 14 bis 16 Uhr und am Mittwochvormittag von 10 bis 12 Uhr geöffnet. In dieser Zeit stehen Mitglieder des Arbeitskreises für Erläuterungen zur Kirche zur Verfügung. Das Projekt „Offene Kirche“ beginnt im Jahr nach Ostern und endet etwa zur Zeit der Herbstferien. /cv




