News
Synodale Versammlung steuert neue Schwerpunkte an
30.6.2026

Entscheidungen wurden noch nicht getroffen, aber das Stimmungsbild nach der synodalen Versammlung am Mittwoch in der CVJM-Bildungsstätte in Wilgersdorf war deutlich. Dort diskutierten Vertreterinnen und Vertreter der Kirchengemeinden und der Einrichtungen des Kirchenkreises Siegen-Wittgenstein über mögliche Schritte, um mit den geringer werdenden personellen und finanziellen Ressourcen im Evangelischen Kirchenkreis Siegen-Wittgenstein auch zukünftig auszukommen.
Zur Diskussion standen Beschlussempfehlungen des Kreissynodalvorstands, die fast alle Bereiche des kirchlichen Lebens im Kirchenkreis Siegen-Wittgenstein betreffen können und am Samstag, 11. Juli, in der 6. Kreissynode zur Abstimmung stehen. Diese Synode findet digital statt, das heißt, die Synodalen nehmen per Videoschaltung teil, um gemeinsam die Beschlüsse zu fällen.

Die Vorschläge basieren auf Schwerpunktsetzungen, die jetzt in einer vorgeschalteten synodalen Versammlung diskutiert wurden. Diese Entscheidungen sollen helfen, die Handlungsfähigkeit von Kirchengemeinden und Kirchenkreis zu bewahren. Dabei steht die Verwaltung ebenso auf dem Prüfstand wie die Einrichtungen des Kirchenkreises. Es geht nicht nur um Einsparungen, sondern auch um strukturelle Veränderungen durch stärkere Kooperationen und angepasste Fördermodelle.
Zugleich verband die Synodalversammlung dies mit einem deutlichen Appell an Politik und öffentliche Hand: Mit dem Evangelischen Gymnasium und den Kindertageseinrichtungen übernimmt der Kirchenkreis wichtige Aufgaben der öffentlichen Daseinsvorsorge für Stadt und Kreis und leistet damit einen wertvollen Beitrag für Bildung und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Diese Verantwortung wird bewusst wahrgenommen – sie darf jedoch nicht dauerhaft einseitig zulasten kirchlicher Mittel gehen.
Gleichzeitig wurde unmissverständlich festgehalten, dass hierfür klare Grenzen gelten. Sowohl für das Evangelische Gymnasium in Weidenau als auch für die evangelischen Kindertageseinrichtungen werden verbindliche finanzielle Obergrenzen gezogen.
Auch das Abenteuerdorf Wittgenstein steht im Fokus. Hier geht es um eine deutlich stärkere wirtschaftliche Eigenständigkeit, auf die die Geschäftsführung des Abenteuerdorfes bereits zuarbeitet. Perspektivisch soll der Betrieb ohne dauerhafte Zuschüsse aus Kirchensteuern auskommen.
Alle kirchlichen Handlungsfelder wurden in den Blick genommen. Immobilien sowie Verwaltung und Personalstrukturen bis hin zu Beratung, Bildung und Seelsorge in den synodalen Diensten einschließlich der Aufgaben in den Kirchengemeinden vor Ort standen auf dem Prüfstand.
Damit verbunden sind tiefgreifende Veränderungsprozesse, die nicht nur Strukturen, sondern auch Menschen und Arbeitsbereiche betreffen. Der Kirchenkreis und die Kirchengemeinden stehen hier in einer besonderen Verantwortung – sowohl für die zukünftige Ausrichtung kirchlicher Arbeit als auch gegenüber den Mitarbeitenden. Entsprechend ernsthaft und sorgfältig wurde auf der Synodalversammlung beraten. Die endgültigen Entscheidungen über die Beschlussempfehlungen trifft die Synode am Samstag, dem 11. Juli.
Schon auf der Synodalversammlung machte Günther Albrecht, Vorsitzender des Finanzausschusses, in seiner Einbringung deutlich: „Wenn wir über die finanzielle Situation in der Kirche, im Kirchenkreis und den Kirchengemeinden reden, dann müssen wir uns einigen Tatsachen stellen.“ Er sprach von drei Millionen Euro, die in den kommenden drei Jahren eingespart werden müssen.
Auch Superintendentin Kerstin Grünert nahm Stellung. Sie zog eine Parallele zu Begegnung Jesu mit den Fischern, die mit leeren Netzen an Land zurückkehrten. Hier spricht die Geschichte die Menschen unmittelbar an. „Wir leben ja in einer Zeit, in der wir erfahren, dass Einsatz nicht automatisch Erfolg bedeutet“, gab die leitende Theologin zu bedenken.
Bewährtes trage
nicht mehr selbstverständlich, so Kerstin Grünert. „Erfahrungen aus der Vergangenheit geben nicht automatisch Antworten auf die Fragen der Gegenwart.“
Auch die Kirche steht laut Superintendentin Kerstin Grünert vor einer Wirklichkeit, die man nicht ignorieren kann. „Wir schauen auf unsere sinkenden Mitgliederzahlen, die Veränderungen in der Gesellschaft und die sinkenden finanziellen Möglichkeiten.“
Superintendentin Kerstin Grünert äußerte sich auch zum Format der synodalen Versammlung und der digitalen Synode. „Wir haben im Zuge der synodalen Versammlung nicht-öffentlich getagt, da es Beratungen über Menschen und ihre Arbeitsbereiche waren. Hier nehmen wir unsere Verantwortung als Arbeitgeberin und Leitungsorgan sehr ernst“, so Grünert.
Diese synodale Versammlung fand in Präsenz statt. Die nun folgende Synode wird hingegen im digitalen Format und öffentlich abgehalten. „Ein zweites Mal innerhalb von zwei Wochen wollten wir diesen Aufwand für die Synodalen und beteiligten Mitarbeiter des Kirchenkreises vermeiden. Nach Corona sind digitale Synoden ein bewährtes Format der Kommunikation und des Austausches.“

Kerstin Grünert: „Über viele Jahrzehnte war unsere Kirche von dem Wunsch geprägt, möglichst vieles an möglichst vielen Orten vorzuhalten. Das entsprach den Möglichkeiten und den Erwartungen der Zeit. Heute stehen wir vor einer anderen Situation. Deshalb geht es nicht nur darum, zu entscheiden, welche Aufgaben wir wahrnehmen.“ Es gehe auch darum, wie man sie wahrnimmt. „Welche Aufgaben können Gemeinden weiterhin selbst gestalten? Wo brauchen wir stärkere Zusammenarbeit? Wo ist es sinnvoll, Verantwortung zu bündeln, damit Qualität erhalten bleibt und Kräfte nicht zersplittern?“
Superintendentin Kerstin Grünert stellte klar: „Die eigentliche Gefahr liegt nicht in den leeren Netzen. Die eigentliche Gefahr liegt darin, so zu tun, als wären sie noch voll." /kka

