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Aus dem hohen Norden: Das sind die Vikarinnen im Kirchenkreis Siegen-Wittgenstein

18.6.2026

© Kirchenkreis Siegen-Wittgenstein
Nordlichter im Siegerland: Hanna Schlüter ist Vikarin in der Ev.-Ref. Kirchengemeinde Klafeld, während Frida Schlinke (r.) ihr Vikariat in der Siegener Lukas-Kirchengemeinde absolviert.

Zwei Nordlichter absolvieren im Evangelischen Kirchenkreis Siegen-Wittgenstein ihr Vikariat. Hanna Schlüter arbeitet in der Evangelisch-Reformierten Kirchengemeinde Klafeld. Vikarin Frida Schlinke ist seit Kurzem in der Siegener Lukas-Kirchengemeinde tätig. Beide Vikarinnen sind auf unterschiedlichen Wegen zum Pfarramt gekommen. Ein Interview über Perspektiven, den ersten Kontakt mit der Gemeinde und besondere Momente.

Sie stehen am Anfang des Berufslebens.
Wie können Sie sich Kirche heute und morgen vorstellen?

 

Hanna Schlüter: Kirche ist in einer absoluten Veränderungsphase, was mich sehr freut. Ich komme aus einem nicht sehr kirchlich geprägten Umfeld und weiß, dass für manche das Kirchgebäude, der traditionelle Gottesdienst und manchmal der Talar an sich abschreckend wirken können. Das finde ich schade, aber ich weiß auch, dass die Kirche das bemerkt. Daher finde ich es gut, wenn es Menschen gibt, die Lust haben, an Kirche zu arbeiten und sich auch mal herauswagen.

Frida Schlinke: Die Leute, die in den Gemeinden aktiv sind, überlegen sich viele coole Projekte – auch für jüngere Leute. Auf der anderen Seite gibt es aus den Gemeinden weiterhin die Ansprüche, die Traditionen so zu behalten. Das ist ein Spagat.

Sie kommen beide aus dem hohen Norden. Wie war der Wechsel für die Frauen aus Greifswald und Sommerland?

 

Frida Schlinke: Bei mir in Greifswald gab es all die Gruppen, die ich hier in Siegen auch wiederfinde. Christenlehre, Kindergarten, Konfi-Unterricht und die Arbeit der jungen Gemeinde. Hinzu kommen die kulturellen Ereignisse in der Kirche – das ist hier ja auch so. 

Hanna Schlüter: Ich komme vom Land, da ist es etwas anders. Der erste Berührungspunkt war die Gemeinde, in der ich konfirmiert wurde. Dort war wirklich wenig los: ein wenig Konfi-Arbeit, wenige Teamer und noch ein bisschen SeniorInnen-Arbeit. Mit dem Wechsel nach Siegen war ich positiv überrascht, wie voll Gottesdienste an einem normalen Sonntag sind. Ich merkte schnell, dass die Kirche hier noch einen anderen Stellenwert hat.

Wie ist bei Ihnen die Entscheidung gereift, diesen Weg zu gehen, und wie hat das Umfeld reagiert?

 

Frida Schlinke: Ich war schon immer in der Gemeinde aktiv und bin dabeigeblieben. Natürlich habe ich mich aktiv dazu entschieden. Es ist das Vielfältige an diesem Beruf, was mich interessiert. Die Reaktion auf meine Entscheidung fiel in der jungen Gemeinde sehr positiv aus. In meiner Familie sah man durchaus die Herausforderung in einem Beruf, in dem man Einiges geben muss, auch vor dem Hintergrund, dass die Kirche aktuell nicht gerade in einer einfachen Situation ist.

Hanna Schlüter: Meine Familie ist nicht kirchennah. Klar, wir sind in der Kirche und konfirmiert, aber selbst an Weihnachten waren wir nicht im Gottesdienst. Das änderte sich erst für mich, als ich in den Konfi-Unterricht gegangen bin. Da habe ich gemerkt, dass ich mich einbringen kann, so wie ich bin. Danach habe ich mich wegen eines Konflikts in der Gemeinde von der Kirche distanziert. Trotz des wiederaufkeimenden Interesses während des Abiturs dachte ich mir immer, dass ein Kind, das Weihnachten nicht in die Kirche geht, keine Pfarrerin werden kann. Dass das sehr wohl geht und sogar von Vorteil sein kann, habe ich dann während meines Gemeindepraktikums im Studium erfahren. 

Apropos Studium: Wie haben Sie das an Ihren Universitäten erlebt und wie ist es, drei alte Sprachen lernen zu müssen?

 

Frida Schlinke: Marburg hat wirklich eine schöne Universität und ist sehr liberal. Dort habe ich viele neue Perspektiven kennengelernt, zu denen auch die feministische Theologie gehört. Viele liberale, auch queere Leute, wollen Theologie studieren und auch etwas verändern. Es waren aber auch Konservativere dabei mit einem konservativen Gottesverständnis. Man diskutiert dann halt in den Seminaren. Latein hatte ich bereits in der Schule und später einen sehr strukturierten Unterricht. Es war eine intensive Zeit, während der Freundschaften gewachsen sind.

Hanna Schlüter: Ich habe in Hamburg studiert. Dort waren wir ein sehr kleiner Fachbereich mit wenigen Leuten. Aber es waren aktive Studierende, die sich auch mit queerer Theologie beschäftigt haben. Was die alten Sprachen angeht: Das hat mir Freude bereitet, das war etwas Logisches. Ich bin da ein wenig ein Nerd und ja, im Originaltext spricht mich das alles mehr an. Anstrengender fand ich es vielmehr, dass man kein Bachelor- und Master-System hat. Wenn man nach 13 Semestern durchfällt, war alles umsonst.

Wie wurden Sie vorbereitet, bevor Sie das erste Mal auf die Gemeinde getroffen sind?

 

Frida Schlinke: Klar, wir haben ein Gemeindepraktikum gemacht. Und auch ein wenig Religionspädagogik. Aber dafür, dass wir später für den Religionsunterricht zuständig sein sollen, ist das definitiv zu wenig. Es stellt sich die Frage, was das Studium leisten soll. Auf der einen Seite sehe ich schon, dass wir die Personen sind, die fachlich, das heißt theologisch, gut gebildet sein sollen, auf der anderen Seite ist der Beruf etwas anderes mit vielen praktischen Aufgaben. Natürlich gibt es sehr viele Stimmen, mich eingeschlossen, die fordern, dass das Studium anders konzipiert sein könnte.

Hanna Schlüter: Gar nicht, aber ich wurde sehr gut in der Gemeinde aufgenommen. Ich hoffe, da tut sich etwas. Das Studium kann man definitiv reformieren. Wenn man auf Pfarramt studiert, wäre es gut, ein Praxissemester einzuschieben.

Die Kirche befindet sich im Wandel. Haben Sie Lust auf Veränderung oder überwiegt der Respekt vor den kommenden Zeiten?

 

Hanna Schlüter: Ich freue mich darauf. Veränderung ist meist etwas Gutes. Ich glaube aber auch, dass, wenn man die Gefühle der Leute ernst nimmt, sehr viele gewillt sind, etwas zu verändern.

Frida Schlinke: Wichtig ist zu erwähnen, dass wir Pfarrpersonen das nicht alleine entscheiden. Es ist vor allem eine Sache des Presbyteriums, der Gemeinde und der Hauptamtlichen, die in der Gemeinde engagiert sind. 

Was begeistert Sie neben dem Beruf?

 

Frida Schlinke: Ich gehe sehr gerne wandern. In der Gegend kann man das auch sehr gut. Daneben lese ich gerne und mache, wenn die Zeit bleibt, Musik. Bei mir zuhause steht ein Klavier.

Hanna Schlüter: Ich gehe gern ins Kino. Mein Freund und ich haben ein Faible für schlechte Horrorfilme und davon werden sehr viele gedreht. Sportlich bin ich auch aktiv – auch wenn ich das als notwendiges Übel betrachte.

Die Vikarinnen im Kirchenkreis

  • Kirche Kunterbunt in Siegen: Vikarin Hanna Schlüter in Aktion beim kunterbunten Format für Kinder, Eltern und Großeltern.

    © privat
  • Vorbereitung auf die Aktion "einfach heiraten": hier sind Vikarin Frida Schlinke und ihr Mentor Pfarrer Stefan König engagiert.

    © Kirchenkreis Siegen-Wittgenstein

Mit Hanna Schlüter und Frida Schlinke sprach Christian Völkel. /cv

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