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Pfingsten heißt: Der Weg geht weiter
21.5.2026
Nach der Himmelfahrt Jesu ziehen sich die Jünger nach Jerusalem zurück. Sie kommen zusammen, suchen Schutz und Nähe, denn vieles ist unklar: Jesus ist nicht mehr bei ihnen, die Zukunft offen, die Welt draußen bedrohlich. Angst und Unsicherheit prägen diese Tage. Und doch bleiben sie beieinander.
Abgeschottet von der Außenwelt sind sie zusammen in einem der Häuser. Wollen beraten und zusammen sein. In dieses Beisammensein hinein geschieht Pfingsten. Der Heilige Geist erfüllt sie, öffnet ihre Herzen und ihre Perspektive. Was sie zurückhält, wird verwandelt. Sie wagen den Schritt nach draußen, gehen zu den Menschen und erzählen vom Evangelium – von Gottes Nähe, von der Liebe Jesu Christi, von Hoffnung, die trägt. Die Jünger waren nicht stark, nicht vorbereitet auf das, was kommt.
Sie hatten keine Strategie für die Zukunft der Kirche, keine Ahnung, wie ihre Botschaft ankommen würde. Sie waren verunsichert – und darin liegt eine erstaunliche Nähe zu uns heute. Denn auch unsere Kirchenzeit befindet sich in einem tiefgreifenden Prozess: Veränderung, Erneuerung – welches Wort man auch immer dafür benutzen möchte. Selbstverständlichkeiten brechen weg. Die gesellschaftliche Rolle der Kirche wird hinterfragt. Akzeptanz und Relevanz sind keine gegebenen Größen mehr. Dazu kommen weltpolitische Krisen, Kriege, soziale Spannungen und persönliche Sorgen, die viele Menschen belasten.
Die Fragen ähneln denen der Jünger damals erstaunlich sehr: Wie geht es weiter? Was ist unser Auftrag? Haben wir überhaupt noch etwas zu sagen – und für wen? Wie die ersten Jünger steht die Kirche heute in der Versuchung, sich zurückzuziehen oder auseinanderzugehen: in unterschiedliche Lager, in Resignation oder in hektisches Handeln. Pfingsten setzt genau hier einen anderen Akzent. Es erzählt davon, dass Erneuerung nicht damit beginnt, sofort Antworten zu haben, sondern damit, beieinander zu bleiben, die Unsicherheit auszuhalten und gemeinsam auf Gottes Geist zu warten. Beieinanderbleiben heißt nicht Stillstand. Es heißt, den Wandel gemeinsam zu tragen. Unterschiedliche Positionen auszuhalten, ohne die Gemeinschaft aufzugeben. Fragen zuzulassen, ohne das Vertrauen zu verlieren. Der Heilige Geist kommt nicht, um alles beim Alten zu lassen, sondern um Bewegung zu schenken – aber aus der Gemeinschaft heraus, nicht gegen sie.
Pfingsten zeigt: Der Geist Gottes holt die Jünger nicht aus ihrer Gemeinschaft heraus, sondern sendet sie aus ihr heraus. Das Beieinandersein wird zur Grundlage des Aufbruchs. Die Türen öffnen sich. Die Jünger gehen hinaus – nicht als Helden, sondern als Zeugen. Nicht mit Macht, sondern mit einer Botschaft, die sie selbst trägt. Hier liegt eine zentrale Hoffnung für die Kirche heute: Transformation muss nicht aus Stärke geboren werden, sondern aus Vertrauen. Die Kirche muss nicht perfekt, groß oder einig in allen Fragen sein, um von Gott gebraucht zu werden. Sie darf im Wandel bleiben – und gerade so lebendig sein. Lebt sie doch aus dem Wort Gottes und dem Wirken des Heiligen Geistes. So steht die Kirche heute wie die Jünger damals: mitten im Übergang, nicht am Ende, sondern auf dem Weg. Pfingsten spricht uns zu: Gott ist gegenwärtig, gerade im Prozess. Er verlässt seine Kirche nicht, und er traut uns mehr zu, als wir uns selbst oft zutrauen.
Darum dürfen wir beieinanderbleiben – im Hören, im Ringen, im Vertrauen. Und von dort aus immer wieder hinausgehen: zu den Menschen, in diese Welt, mit dem Evangelium von der Hoffnung, die größer ist als unsere Angst.
Pfingsten heißt: Der Weg geht weiter. Nicht aus eigener Kraft, sondern getragen vom Geist Gottes.
Kerstin Grünert


