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Unsere Kirchen - In Oberfischbach gibt eine besondere Orgel den Ton an

18.5.2026

© Kirchenkreis Siegen-Wittgenstein
Spielt seit über 45 Jahren mit ganzem Herzen die Orgel in Oberfischbach: Marita Kalteich.

Die Kirche in Oberfischbach ist schon für sich ein Blickfang. Am Hang des Dörfchens gelegen und 1793 erbaut, prägt sie das Ortsbild bis heute. In ihrem Innern verbirgt sich eine berühmte Orgel, die noch heute mit Freude gespielt wird.

Sechs Jahre nach dem großen Jubiläum der Orgel in der Oberfischbacher Kirche zieht Marita Kalteich nicht alle, sondern nur ausgewählte Register. Sie sitzt an der von Christian Roetzel einst gebauten Orgel.

Die Orgel entfaltet in der leeren Kirche ihre ganze Klangbreite. Und der Klang selbst begeistert die Organisten in Oberfischbach. Dazu gehören Katharina Pelger, Sebastian Burbach und eben auch Marita Kalteich.

Die Organistin spielt seit über 45 Jahren die Orgel in Oberfischbach und kennt das Instrument in- und auswendig. Sie betont: „Die Orgel spielt sich ganz toll. Zwar ist sie Manchem nicht groß genug; aber die Orgel reicht wirklich für unsere Kirche“, sagt Marita Kalteich. Sie müsse beim Spielen schließlich darauf achten, dass man den Gesang der Gemeinde noch hören könne. Und so nutzt die Organistin die eingebauten Register mit Trompetenklängen eher selten.

Neben der spielenden Organistin steht Pfarrer Michael Junk. Der ist von Kirche wie Orgel begeistert. Der Theologe weiß zu berichten, dass die Gemeinde im 19. Jahrhundert 25 Jahre ohne Orgel auskommen musste.

Der historische Hintergrund war die Entscheidung, die alte, aus dem Jahr 1756 stammende Orgel, beim Abriss der alten Oberfischbacher Kirche in einer Scheune zu lagern. Das erwies sich im Nachhinein betrachtet als Fehler. Durchziehende Soldaten zerstörten die Orgel damals vollständig, sodass sie nicht mehr zu retten war.

Erst 1818 begannen unter Pfarrer Noll die Planungen für einen Neubau. Zwei Jahre später errichtete der Orgelbauer Georg Wilhelm Christian Roetzel aus Alpe bei Eckenhagen ein neues Instrument. „Zuvor musste im ganzen Siegerland für die Orgel gesammelt werden; das war in dieser Zeit nicht einfach“, berichtete Pfarrer Michael Junk.

Qualität hatte ihren Preis: Trotz der Kosten von 1.090 Reichstalern zeigte sich das Presbyterium hochzufrieden und lobte sowohl die Qualität der Arbeit als auch die uneigennützige Haltung des Handwerkers.

Wer heute auf Abendmahltisch und Orgelgehäuse blickt, sieht echte Geschichte vor sich. Das Siegerland gehörte seit 1816 zu Preußen. So erklärt sich, dass die Orgel nach preußischem Geschmack errichtet werden. Die klassizistische, durch vier Säulen gegliederte Fassade, bekrönt mit einem Dreiecksgiebel, zeigt Ähnlichkeiten zum Brandenburger Tor oder zur Neuen Wache in Berlin.

„All das musste natürlich in eine reformierte Kirche passen. Das Ergebnis können wir uns heute in Oberfischbach anschauen“, so Michael Junk.

Die zweite Orgel überstand die Jahrhunderte weitgehend unversehrt. Lediglich im Ersten Weltkrieg wurden einzelne Zinnpfeifen durch Zink ersetzt, später jedoch wieder originalgetreu rekonstruiert. Eine umfassende Restaurierung in den Jahren 1991 bis 1993 stellte den Zustand von 1820 wieder her.

Heute gilt das Instrument als älteste Orgel des Siegerlandes und als einzig erhaltene historische Schleifladenorgel der Region – ein bedeutendes Zeugnis regionaler Geschichte und Handwerkskunst. 

Christian Völkel

Orgel in Oberfischbach

  • Heute gilt das Instrument als älteste Orgel des Siegerlandes und als einzig erhaltene historische Schleifladenorgel der Region.

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  • Preußen lässt grüßen: Die Orgel fällt durch eine klassizistische, durch vier säulen gegliederte Fassade, bekrönt mit einem Dreiecksgiebel auf.

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  • Pfarrer Michael Junk tritt die alten Orgelpedale.

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  • Kirchschiff von der Empore aus gesehen.

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