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Kirchengemeinde Klafeld: Emotionaler Abschied von Pfarrerin Almuth Schwichow
31.3.2026

Mit viel Herzblut haben die evangelisch-reformierte Kirchengemeinde Klafeld und viele Menschen aus dem Kirchenkreis Siegen-Wittgenstein Pfarrerin Almuth Schwichow in den Ruhestand verabschiedet.
Die Menschen ehrten ihre Pfarrerin jetzt in der Talkirche in Geisweid mit stehenden Ovationen, als sie in Begleitung der Superintendentin Kerstin Grünert, ihrer Kolleginnen und Kollegen sowie den Vertretern des Presbyteriums, die Kirche verließ. Damit durchschritt Almuth Schwichow für sich ein Tor in die Welt des Ruhestands, ein Bild, das sie einer Skulptur der Künstlerin Annette Zappe entlieh. Dort durchschreitet eine Frau mit gerafften Röcken ein Tor.

„Das bin tatsächlich ich. Ich, die ich in den Ruhestand gehe. Mit einem Bein im Gestern verhaftet, mit dem anderen schon auf der Schwelle des Tores, das sich für mich öffnet.“
Bei diesen Worten stand Almuth Schwichow noch einmal auf der hohen Kanzel der Talkirche, um mit ihrer Predigt die Menschen zu erreichen – was ihr, wie immer in den letzten 33 Jahren in Klafeld, vortrefflich gelang. Sie sei oft gefragt worden, wie sie sich so kurz vor dem Ruhestand fühle. Nachdenklich fasste die gebürtige Ostfriesin zusammen: „Natürlich freue ich mich auf einen neuen Lebensabschnitt mit weniger Pflichten und mehr Freiheit am Wochenende, abends und an Feiertagen.“ Nun bleibt mehr Zeit, um Weihnachten in ihrer ostfriesischen Heimat zu feiern, ihre Spanischkenntnisse aufzufrischen, wieder im Chor zu singen oder sich ehrenamtlich zu engagieren.
Doch nach 37 Jahren im Dienst als Pfarrerin fällt der Abschied schwer. „Der Abschied von all den kleinen und großen Aufgaben, die mich ausgefüllt und oft auch gefordert haben, und natürlich der Abschied von Menschen. Menschen, mit denen ich gelacht und geweint habe, gefühlt, gefeiert, gestritten und gemeinsam so manches erreicht habe“, betont die Pfarrerin, die noch einmal ganz in ihrem Element ist.
Viele letzte Male
Dass der Abschied näherkam, habe sie gespürt. Die letzten Male häuften sich, angefangen von der letzten Konfirmation im April 2025 bis zur letzten Guten-Abend-Kirche Anfang März. „Die letzte Dienstbesprechung, der letzte Geburtstagsbesuch und „am Freitag mit Neele, meiner Handpuppe, zur Andacht in der Kita“, erinnert sich Almuth Schwichow. All das hat sie berührt. Und doch hat die frischgebackene Pensionärin, wie die bronzene Skulptur, große Hoffnung darauf, dass „sich das Vergangene durch die Liebe und den Glauben mit dem Zukünftigen verbindet“. Und dann erinnert Almuth Schwichow an den Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde in Rom: „Ich bin gewiss, dass uns nichts, nicht einmal der Tod, von Gott und seiner Liebe trennen kann.“
Almuth Schwichow richtet ihren Blick wieder auf die Frau in der Skulptur, die mutig voranschreitet, allem zum Trotz. Diesen Trotz, diese Widerstandskraft wünscht sie sich auch von der Kirche. Sie sieht die Kirche, die seit 2000 Jahren durch die Zeit wandert und unzählige Krisen und Kämpfe überstanden hat. „Das hat dem, was sie weitergibt – Glaube, Liebe, Hoffnung – nichts anhaben können. Nun aber leben wir in einer Zeit des extremen Wandels; von Transformation wird geredet, von Umformung.

Aber so weit sind wir noch nicht. Noch stehen wir vor der Schwelle. Die Geschichte der Kirche sei aber noch nicht zu Ende. „Wir schreiten mutig voran, geführt von einer Kraft, die uns bewegt, beflügelt und bewahrt.“ Diesen Mut sieht Superintendentin Kerstin Grünert in ihren Abschiedsworten auch bei Almuth Schwichow. Man kenne sich noch nicht so lange. Doch was sie sich in den Kopf setze, das mache sie auch. „Nicht ohne Rücksicht auf Verluste, sondern konsequent, geradeaus und theologisch fundiert.“
Nun sei man „zwischen den Zeiten, zwischen Advent und Palmsonntag, zwischen Erwartung und Erfüllung, zwischen Hoffnung und Enttäuschung, zwischen dem, was war, und was da kommt.“
Der Blick der leitenden Theologin richtete sich auf das, was war. Almuth Schwichow sei als Nordlicht ins Siegerland gekommen und habe das Abitur in Kreuztal gemacht. „Und habe wenn man mal vom Ausflug zum Vikariat ins Ruhrgebiet absieht, dann doch wieder ins gelobte Land zurückgefunden. So folgte auf das Vikariat in Dortmund der Hilfsdienst in der Nikolaigemeinde, um dann 1993 nach Klafeld zu kommen“, erinnerte sich Kerstin Grünert, die weiß, was der Klafelder Pfarrerin so wichtig war: Die Kindergärten, die Möglichkeit, etwas Neues anzufangen, die ökumenischen Kontakte, die Guten-Abend-Kirche und viele Spuren, die sie in der Gemeinde hinterlasse. Kerstin Grünert verriet ihre Gedanken nach dem Gespräch: „Mensch, die Frau liebt, was sie tut. Die steht mit dem Herzen dabei, wenn sie predigt.“

Kerstin Grünert wünschte Almuth Schwichow, dass sie den Blick auch dann, wenn das Urlaubsgefühl nach einigen Wochen schwindet, weiter schwungvoll nach vorne richte. „Gebe Gott Ihnen, dass sie alles aufnehmen und empfangen können mit vollen Händen, mit fröhlichem Herzen und mit strahlenden Augen.“
Mit strahlenden Augen – so genoss Almuth Schwichow mit den anderen Gottesdienstbesuchern die Begleitung durch den Chor „Wegweiser“ unter der Leitung Jochen Schnutz, in dem sie direkt nach der Predigt selbst mitsang. Für den richtigen Takt im Kirchenchor sorgte Anastasiia Schneider. Der Posaunenchor unter der Leitung von Sabrina Seelbach verabschiedete seine Pfarrerin mit den Beiträgen Highland Cathedral und dem Sound aus dem Film Fluch der Karibik klanggewaltig.
Nach dem Gottesdienst lud das Presbyterium zu einem gut besuchten Sektempfang sowie Kaffee und Kuchen in das Gemeindezentrum ein. /cv

