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Young Ambassadors: Abschied nach drei intensiven Wochen
19.8.2025
Drei intensive Wochen mit einem vielfältigen Programm erlebten zehn junge Menschen aus Amerika und zehn junge Menschen aus Deutschland. Der Rahmen für diese Zeit: Das Young Ambassadors Programm, ein internationales Jugendbegegnungsprogramm zwischen dem Evangelischen Kirchenkreis Siegen-Wittgenstein und der United Church of Christ (UCC) in Indiana/Kentucky. Der Abschied nach der gemeinsamen Zeit fiel schwer, das schreiben die Jugendlichen auch in ihrem Blog, auf dem sie während der drei Wochen eigene Texte und Fotos veröffentlichten. Jeweils ein amerikanischer und ein deutscher Teilnehmer schrieb zu jedem Tag über das, was er erlebt hatte, aus seiner ganz persönlichen Perspektive. Peter formuliert zum Abschied auf Englisch im Blog: „Die meisten von uns weinten und wollten länger bleiben, aber wir waren bereits spät dran für den Flug.“ Mia beschreibt die Momente vor der Abreise der amerikanischen Teilnehmenden ähnlich: „Am Frankfurter Flughafen angekommen wurde es dann noch einmal sehr emotional. Es wurden letzte Erinnerungen ausgetauscht, eine sichere Heimreise gewünscht und vor allem ganz dicke Umarmungen ausgetauscht und ja, viele Tränchen sind dabei geflossen.“
Die Wittgensteinerin blickt zurück auf die vergangenen Wochen und zieht ein Resümee: „Drei Wochen voller intensiver Begegnungen, spannender Ausflüge, kultureller Entdeckungen und tollen Freundschaften lagen hinter uns.“ Was endete, sei mehr als nur ein kirchliches Austauschprogramm gewesen: „Es war eine Reise, die uns alle verändert hat. Wir haben nicht nur neue Menschen kennengelernt, sondern auch neue Perspektiven gewonnen, über Grenzen hinweg Brücken gebaut und echte Freundschaften geschlossen.“ Auch wenn der Abschied schwergefallen sei und die achte Generation der Young Ambassadors endete, „sind wir dankbar für jede einzelne Minute dieser besonderen Zeit“.
Ziel des Austauschprogrammes ist, dass die Jugendlichen nicht nur das Land, die Geschichte, die Kultur und neue Menschen kennenlernen, sondern auch das kirchliche Leben, außerdem sind diakonisch-soziale Arbeitseinsätze ein fester Bestandteil. Gemeindepädagoge Daniel Seyfried und Lehramtsstudentin Sophie Saßmannshausen bildeten das Leitendenden-Team auf deutscher Seite. Seyfried betont: „Es ist kein Freizeitprogramm. Es ist ein Begegnungsprogramm, das ist uns wichtig.“ Entsprechend wurden die Tage gestaltet – wenn auch der Spaß und die Gemeinschaft natürlich nicht zu kurz kamen. Hier zu nennen ist der Besuch der Karl-May-Festspiele in Elspe oder des Phantasialands, dem Freizeitpark in Bühl. „Das war etwas, das uns allen gutgetan hat“, blickt der Leiter zurück. Im Abenteuerdorf Wittgenstein in Wemlighausen, wo sich die Teilnehmenden bis auf die Wochenenden und bei längeren Ausflügen aufhielten, habe die Gruppe eine sehr gute Zeit gehabt: „Hier war die Gemeinschaft am besten.“ Seyfried berichtet von einer besonderen Atmosphäre, die eng verbunden gewesen sei mit der ruhigen Lage und den Möglichkeiten im Abenteuerdorf. Ein starker Kontrast zu dem Aufenthalt in Berlin, der insgesamt für die jungen Menschen stressig gewesen sei, sagt der Gemeindepädagoge. Den Unterschied zwischen Land und Stadt hätten die Teilnehmenden aus beiden Ländern sehr intensiv wahrgenommen.
Im vergangenen Jahr reisten die zehn Jugendlichen aus Deutschland gemeinsam mit ihren beiden Begleitenden nach Amerika. Zu Beginn der drei Wochen in Deutschland in diesem Jahr war ihnen bereits bewusst, dass es nun etwas herausfordernder und anstrengender für sie werden könnte. Jetzt waren sie mehr eingebunden. Eine Herausforderung sei die Sprache gewesen, berichtet Seyfried. Die deutschen Jugendlichen hätten in Amerika die Sprache verstanden Sie konnten auf Englisch kommunizieren. Das Kommunizieren sei für die amerikanischen Teilnehmenden deutlich schwieriger gewesen und habe etwas auf die Stimmung gedrückt. „Sie waren darauf angewiesen, dass sie mitgenommen werden, dass übersetzt wird“, erläutert Seyfried. Das sei vor allem Thema gewesen, wenn die Jugendlichen am Wochenenden bei den direkten Austauschpartnern und deren Familien zu Besuch gewesen seien. In abendlichen Feedback-Runden wurde Raum geschaffen, um über solche und andere Erlebnisse des Tages zu berichten und darüber zu sprechen, was auf dem Herzen lag.
Trotz der ein oder anderen Herausforderung: Zurück bleiben wertvolle Erfahrungen und gemeinsame Erinnerungen, die während des Austauschprogramms geschaffen wurden. Die Besichtigungen historischer Gebäude wie die des Kölner Doms beeindruckten beispielsweise die Amerikaner, „die kennen so alte Kirchen nicht“, sagt Seyfried. Arabella wollte, seit sie erfahren hatte, dass sie nach Deutschland reist, den Kölner Dom anschauen. Von Beginn an, war sie aufgeregt und sie wurde nicht enttäuscht. Emily Tisheuar, die gemeinsam mit Ken Rose die Gruppe von amerikanischer Seite aus leitete, besuchte an einem Wochenende Marburg. „Absolut atemberaubend“ sei der alte Ort gewesen mit den Kopfsteinpflasterstraßen und der alten deutschen Architektur: „Es fühlte sich wirklich an wie aus einem Märchen.“ Ein Thema sollte außerdem nicht unausgesprochen bleiben, das für viele Amerikaner bereits zu Beginn der Reise von großer Bedeutung war: die Kulinarik. Das Probieren eines Schnitzels stand fest auf dem Plan. Charlotte berichtet, dass bei einem Besuch eines Landgasthofes die Karte kaum benötigt wurde. „Fast alle wollten Schnitzel Wiener-Art oder Schnitzel mit Champignons in Rahmensauce.“ Wesley erzählt, dass er noch nie zuvor ein „echtes deutsches Schnitzel“ gegessen hatte, aber es sei so gut gewesen, dass er seinen ganzen Teller leer gegessen habe.
Emotional wurde es bei den Arbeitseinsätzen, die die jungen Menschen durchführten. Ursprünglich geplant war die Mithilfe bei der Berliner Tafel, was aufgrund des Alters der Teilnehmenden leider nicht möglich war. Dennoch besuchte die Gruppe den Ort in der deutschen Hauptstadt, wo rund 2600 Ehrenamtliche arbeiten, um Menschen mit Lebensmitteln zu versorgen. „Das hat alle ziemlich berührt“, blickt Seyfried zurück. Ähnlich bewegend sei es bei dem Arbeitseinsatz im Ahrtal gewesen, wo die Teilnehmenden in Gruppen aufgeteilt an verschiedenen Stellen halfen. Beispielsweise wurde eine alte Wassermühle restauriert und ein Spielplatz wieder nutzbar gemacht. Beides war nach der Flutkatastrophe stark beschädigt worden. Es sei für die Amerikaner sehr eindrücklich gewesen und habe ihnen bewusster gemacht: „Naturkatastrophen gibt es auch in Deutschland“, sagt Saßmannshausen. Einen weiteren Einsatz gab es im Abenteuerdorf Wittgenstein. Hier wurde ein Spielgerät für nachfolgende Besuchende gebaut und die Minigolf-Anlage wieder in Stand gesetzt.
Nachdenklich stimmten auch die Besuche der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen, dem alten Stasi-Gefängnis, und der Versöhnungskapelle in Berlin, wo an einem gemeinsamen Friedensgebet teilgenommen wurde. Die Amerikaner seien sehr hellhörig geworden, sagt Seyfried. Es habe sie, ebenso wie die deutschen Jugendlichen, zum Nachdenken in Bezug auf die Demokratie angeregt, ihnen vor Augen geführt, dass man sich für sie stark machen und für sie eintreten müsse.
Das Kennenlernen der evangelischen Kirche in Deutschland, verbunden mit geistlichen Programm bewegte und war inhaltsreich. „Das geistliche Leben wurde miteinander geteilt“, berichtet Seyfried. Tägliche Abendandachten seien bewegend, persönlich und auch emotional gewesen. Unterschiede zwischen der Kirche in Deutschland und in den USA wurden festgestellt. Den Rahmen dafür gab unter anderem der Besuch in unterschiedlichen Kirchengemeinden und deren Gottesdiensten, wo sich die amerikanischen Jugendlichen vorstellen und auch beteiligen konnten. Eine schöne und gemeinsame Erinnerung war der Abschlussgottesdienst am letzten Wochenende vor der Abreise. Organisiert und durchgeführt hatten diesen die Jugendlichen selbst. Saßmannshausen spricht von „einer sehr schönen Predigt, die mich sehr berührt hat“. Thematisch im Mittelpunkt stand das Thema „wachsen und zusammenwachsen“. Alle Gäste gestalteten ein gemeinsames Blumenbild und es wurde ein Baum im Abenteuerdorf Wittgenstein gepflanzt – eine bleibende Erinnerung.
Sarah Panthel