News
Waldgottesdienst auf Hohenroth: Keine einfachen Antworten auf schwierige Fragen
2.9.2026

Einmal im Jahr findet im Kirchenkreis Siegen-Wittgenstein ein Gottesdienst dort statt, wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen. Mitten am Rothaarsteig, im Waldland Hohenroth, feierten jetzt katholische und evangelische Kirche mit 180 Gottesdienstbesuchern in einträchtiger Ökumene. Der Gottesdienst zwischen Fichten und Buchen ist für viele Menschen in Siegerland und Wittgenstein ein fester Termin – und wenn das Wetter mitspielt, ist man mit eigenem Stuhl auf der richtigen Seite.
Diethard Altrogge vom Verein Waldland Hohenroth begrüßte die Menschen, die es sich auf Bänken und eben auf mitgebrachten Campingstühlen gemütlich gemacht hatten. „Ich habe mir diesmal ein schweres Thema gewünscht“, kündete Altrogge an.
Politische Unsicherheit, Naturkatastrophen, Anschläge – aktuelle Beispiele für Dinge, die augenscheinlich aus dem Ruder gelaufen sind, gibt es reichlich. Diethard Altrogge warf die Frage auf, wie Gott das zulassen könne.
Und so stand der ökumenische Waldgottesdienst dann auch unter der Frage: „Ist Gott nicht ganz anders?“ Dass eine solche Frage keine direkte Antwort zulässt, machten Pfarrerin Kerstin Grünert und Pfarrer Uwe Wiesner im Gottesdienst deutlich.

Kerstin Grünert, Superintendentin des Kirchenkreises Siegen-Wittgenstein, warf zu Beginn der Predigt dann auch die Frage in die Runde: „Ist Gott eigentlich anders? Anders als wir Menschen? Anders als wir ihn uns vorstellen?“ Pfarrer Uwe Wiesner stellte dann auch klar, dass Gott andere Maßstäbe setzt, dass er anders gnädig sei. „Wir Menschen vergeben vielleicht einmal oder zweimal. Aber irgendwann sagen wir: Jetzt reicht es. Doch Gott eröffnet immer wieder einen neuen Anfang. Und Gott vergibt auch anders. Wir erinnern uns oft lange an Schuld. Manchmal bleiben Verletzungen über Jahre bestehen. Doch Gott hält Schuld nicht ewig fest.“

Pfarrer Uwe Wiesner gab zu bedenken, dass die Fragen bleiben. Die Herausforderungen bleiben. „Manche Dinge bleiben schwer zu verstehen. Aber Paulus sagt: Ich bin nicht allein. Gottes Kraft trägt mich. Gerade dann, wenn meine eigene Kraft nicht mehr reicht.“ Der stellvertretende Dechant betonte: „Darum dürfen wir hoffen. Auch wenn wir nicht alles verstehen. Auch wenn wir Fragen haben. Auch wenn wir manchmal schwach sind.“
Mit dieser Hoffnung endete der Gottesdienst. Manche blieben noch im Waldland, andere fuhren nach Hause. „Was bleibt, ist ein sehr gutes Feedback der Menschen. Das Thema war den Menschen wichtig“, betont Pfarrer Uwe Wiesner.
Ebenfalls begeistert aufgenommen wurde die musikalische Begleitung. Martin Reuthner (Trompete) und Werner Hucks (Gitarre) begleiteten den Gottesdienst, nicht ohne für ihre Beiträge am Ende ehrlichen Applaus zu hören. / cv

