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Telefonseelsorge im Zeichen der KI: Heimische Delegation besucht internationales Treffen in Budapest

24.8.2026

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Blick über die Donau in Budapest.

Welchen Einfluss hat die zunehmende Nutzung der künstlichen Intelligenz (KI) auf die Arbeit der Telefonseelsorge? Diese Frage war einer der Aspekte, mit denen man sich jetzt auf einem internationalen Kongress der Telefonseelsorge in Budapest beschäftigte.

Ein 13-köpfiges Team der Telefonseelsorge Siegen unter der Leitung von Dietrich Hoof-Greve und Bernd Wagener nahm vom 8. bis zum 12. Juli an dem Treffen des Verbandes der Telefonseelsorgen (IFOTES) teil.

 Das Kernthema KI käme immer mehr in der Arbeit der Telefonseelsorge an, so Dietrich Hoof-Greve, der ergänzt: „Menschen, die mit uns in Kontakt treten, haben sich nicht selten zuvor an die KI in Form von Chatbots gewandt.“

Bei der Kontaktaufnahme im Chat der Telefonseelsorge würden Nutzer vermehrt nachfragen, ob sie denn mit einem Chatbot sprechen würden. „Das können wir schnell ausräumen. Aber ja, das Thema hat uns nun erreicht“, so der Leiter der Siegener Telefonseelsorge. 

Klar sei, dass die Nutzung der KI einsamer machen könne. Es fehle dann die soziale Interaktion, um an Informationen zu kommen. So wird auch der Beziehungsaufbau mit anderen Menschen verhindert.

 

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Dietrich Hoof-Greve (l.) mit dem IFOTES-Vorbereitungsteam Michael Grundhoff und Bettina Schwab, zusammen mit Ludger Storch, dem Vorsitzenden der Telefonseelsorge Deutschland.

Dem Fazit der Veranstalter kann sich Dietrich Hoof-Greve voll und ganz anschließen: „Gemeinsam haben wir die Welt erkundet, in der wir heute leben – eine Realität, die durch das Zusammenspiel von Menschen und KI geprägt ist. Wir haben darüber nachgedacht, was es bedeutet, Mensch zu sein, unsere menschlichen Fähigkeiten und Werte gestärkt und untersucht, wie menschliche Qualitäten und künstliche Intelligenz zusammenwirken können.“ Durch Vorträge, Workshops und Gespräche bei einer Tasse Kaffee sei ihnen wieder bewusst geworden, warum geschulte, präsente und einfühlsame menschliche Zuhörer im Mittelpunkt der Arbeit von Telefonseelsorgen stehen.

Von der ersten Begrüßung in der Universitätsaula bis zum letzten Tanz am Samstagabend – diese fünf Tage seien von ihnen allen geprägt worden: 912 Teilnehmende aus 21 Ländern, die Erfahrungen, Fragen und Ideen rund um ein gemeinsames Thema zusammengebracht haben. 

Frei nach dem Motto „The Human Touch – The Power of Presence“: Die menschliche Präsenz in der Telefonseelsorge, das Zuhören und der Einsatz für die Menschen spielten auch in Budapest eine wichtige Rolle.

Gerade in Zeiten, in denen das Kontaktaufnehmen technisch so einfach ist, entfremdeten sich die Menschen. Oder die Nutzung der Technik gehe, wie im Fall der KI, in verschiedene Richtungen.

Das Treffen hat Beispiele aufgezeigt, wie zweischneidig die KI wirken kann, so Hoof-Greve. „Da gibt es immer öfter den Fall, dass die KI den Menschen rät, sich an die Telefonseelsorge zu wenden.“ Es gebe aber auch dokumentierte Vorkommnisse, bei denen die KI die Menschen schlecht beraten hätte, so Dietrich Hoof-Greve.

Klar sei daher, dass man es vermeiden solle, die KI zu vermenschlichen. „Es gibt Menschen, die nennen sie beispielsweise ‚Chatti‘. Wir sind uns ­– gerade auch nach dem Treffen in Ungarn – wieder bewusst, dass wir es nur mit einer Maschine zu tun haben.“

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Die Leiter der Telefonseelsorge Siegen, Bernd Wagener und Dietrich Hoof-Greve (v. l.), auf der Burg im Stadtteil Buda.

Der Leiter der Telefonseelsorge in Siegen nutzt selbst oft die KI: „Ich entfremde mich aber zusehends wieder davon. Die Nutzung der KI hat nicht absehbare ökologische Folgen.“ Ganze Parks erneuerbarer Energien seien schon nötig, um die Rechenzentren der KI mit Strom zu versorgen. Letztlich kehrte die Delegation mit vielen neuen Eindrücken zur KI und vom Reiseziel Budapest zurück.

Die alle drei Jahre stattfindende Konferenz fand die letzten zwei Male in Italien statt. Jetzt war Budapest in Ungarn Ziel der Reise. Mit einem Greentravel-Ticket reiste man mit der Bahn in die ungarische Hauptstadt. Die Stadt selbst sei wunderschön, so Hoof-Greve. 

Man habe die wenige freie Zeit genutzt, die Synagoge in der Dohány-Straße in Budapest zu besichtigen. Einen Kritikpunkt in Richtung Veranstalter benannte der Siegener auch: Der Aspekt, dass Telefonseelsorge auch eine spirituelle Komponente habe, ginge im Rahmen der Treffen etwas unter. So fand eine einmalige Andacht nur am Rande der Großveranstaltung statt.

Gleichwohl sei die Woche mit seinen Vorträgen aber eine „Klasse Sache“ gewesen. Gerade für das Zusammenwachsen der Telefonseelsorge in Siegen als Team sei so ein Wochenende sehr nützlich, betonte Dietrich Hoof-Greve.

Der war froh, bei dem Antrag nach Fördermitteln der Europäischen Kommission versierte Hilfe durch Anne-Katrin Jung, Fundraising-Referentin des Kirchenkreises, erhalten zu haben. Fördermittel aus dem EU-Programm „Erasmus plus“ ermöglichten die Reise.

 

Dietrich Hoof-Greve: „Wir sind für die Unterstützung sehr dankbar.“ Es sei wichtig, sich mit den Menschen der europäischen Telefonseelsorgen zu treffen und zu vernetzen. „Telefonseelsorge findet ja normal im Verborgenen statt. In Budapest haben wir sehen können, wie viele wir in Wirklichkeit sind.“ /cv

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