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150 Jahre CVJM Siegerland: Festlicher Gottesdienst im Herrengarten
15.7.2026

Die Zahl der Menschen, die mit Campingstuhl am Sonntagmorgen in der Siegener Innenstadt gesichtet wurden, war auffällig hoch. So bepackt steuerten sie den Herrengarten an der Sieg an.
Dort feierte der CVJM Siegerland seinen Festgottesdienst anlässlich der 150 Jahre, die der CVJM Siegerland im Siegerland besteht. Da das Interesse groß und der Platz im Schatten endlich war, brachten die Menschen aus dem Siegerland eben ihre Stühle mit.
So verwandelte sich der Herrengarten von der Bühne bis zur Sieg in einen Platz, der für über eine Stunde Platz bot für einen Gottesdienst, der durch Dankbarkeit und Musik geprägt war.

Der Präses des CVJM Siegerland, Stefan Haus, erinnerte daran, dass der CVJM auch in seinem Jubiläumsjahr eine wichtige Rolle im Alltag vieler Menschen spielt. „Drei Hauptamtliche, eine Jugendbildungsstätte (Wilgersdorf; Anm. d. Red.), 54 Vereine und 4000 Mitglieder“ stehen hinter dem CVJM Siegerland im Jubiläumsjahr.
Stefan Haus bedankte sich bei all jenen, die bei der Vorbereitung und Durchführung des Jubiläums mitgeholfen und so auch Freitagabend unter dem Motto „dank:bar“ für über zahlreiche ehrenamtlich Tätige ermöglicht haben. Der Samstag war ein Highlight für sich. Ein kunterbuntes Festival vom Jakob-Scheiner-Platz vor dem Apollotheater entlang des Siegufers bis zum Herrengarten, gefolgt von einem Abend mit Bläserserenade – der CVJM zeigte mit Programm und Musik Flagge in der Innenstadt. Beide Veranstaltungen waren Highlights des Jubiläumswochenende, das schließlich durch den Jubiläumsgottesdienst im Herrengarten ein feierliches Ende nahm.
150 Jahre CVJM – ein Anlass, den auch Superintendentin Kerstin Grünert zum Anlass nahm, herzliche Glückwünsche des Kirchenkreises zu überbringen.
„Wenn wir heute feiern, dann feiern wir nicht zuerst 150 Jahre erfolgreiche Vereinsarbeit. Wir feiern vor allem Gottes Treue. Denn der Grund unseres Glaubens und der Grund des CVJM ist derselbe wie der Grund der Taufe: Gott hat Menschen zuerst geliebt und berufen“, betonte die leitende Theologin, die fortführt: „Er hat Generationen von Frauen und Männern in seinen Dienst gerufen, Kinder und Jugendliche begleitet und immer wieder Menschen erfahren lassen: Du gehörst zu Christus.“

Diese Beziehung von Gott zu den Menschen beginnt früh und hat eine lange Reise hinter sich. Das mache die Bibelstelle zum Predigttext, 5. Buch Mose im 7. Kapitel, deutlich. Die berichtet von Gottes Beziehung zum Volk Israel. „Das ist kein einfaches Thema. Theologisch nicht und politisch auch nicht“, stellte Kerstin Grünert klar. Sie erinnerte daran, dass immer wieder in der christlichen Tradition ganz schnell der Bund Gottes mit Israel abgetan wurde als „der alte Bund“, der durch Jesus Christus abgelöst wurde. „Wir Menschen neigen zum Entweder-oder. Das hat manchmal fatale Konsequenzen und hat im Verhältnis von Christen und Juden lange Zeit zu schier unüberwindbaren Gräben geführt und mit dazu beigetragen, dass Antisemitismus auch unter Christen-Menschen gedeihen konnte und vor gut 80 Jahren Gottes auserwähltes Volk in die Gaskammern trieb.“
Hier gelte „kein Erst-und-dann oder Entweder-oder, sondern ein Sowohl-als-auch: Gottes Zusagen an Israel im ersten Teil der Bibel sind nicht abgelöst durch unser Neues Testament.“
Und: „Wer auch immer so von sich denkt, wer auch immer sich überlegen fühlen mag, aufgrund von Reichtum, Hautfarbe oder Nation, sollte sich dabei jedenfalls nicht auf eine göttliche Erwählung berufen – die meint etwas anderes.“ Gottes Geschichte mit seinen Menschen beginne jenseits von völkischem Denken. Die Bibel berichte vielmehr von zwei Menschen, von Adam und Eva.
Weder groß noch mächtig, noch „Mein Land first“ gelte in der Bibel. „Das kleine Volk, das Gott aus Ägypten geführt hat, aus der Sklaverei in die Freiheit. Ein kleines Volk, das alles andere als eine heldenhafte Vergangenheit aufweisen kann. Dieses Volk sucht Gott sich aus, diesen Menschen wendet Gott sich liebend zu“, betonte Kerstin Grünert. Nicht die Gewinner seien die Erwählten, sondern die Unterdrückten, mit denen Gott ganz neue Wege wagt: mitten durchs Wasser, quer durch endlose Wüsten. „Und Gott sagt ihnen zu, sie weiter beschützen zu wollen – aus Liebe und Barmherzigkeit sollen sie in das Land geführt werden, das Gott ihnen schenken will.“

Diese Zusage nahmen auch die hunderten Besucherinnen und Besucher des Gottesdienstes mit nach Hause. Zuvor unterstützten sie ihren CVJM gerne: Die Umschreibung der Kollekte war eine Kurzbeschreibung der Tätigkeit des CVJM Siegerland. Veranstaltungen im Jubiläumsjahr, Kinder- und Jugendarbeit, Angebote für Familien und auch Freizeiten – all das kostet Geld. Geld, das nicht nur durch den Beitrag der Mitglieder, sondern auch durch Spenden zusammenkommt und so Teilhabe und „Hüpfburgmomente“ ermöglicht.
Besondere Momente schenkte der CVJM Siegerland den Gottesdienstbesuchern auch in musikalischer Hinsicht. Ein Posaunenchor aus Dirigentinnen und Dirigenten der Jungbläserarbeit brillierte auf der Bühne des Herrengartens. Und die Band „Söhne & Töchter“ begeisterte mit modernen und bewegenden Musikeinlagen.
Musik, Poetryslam und namhafte Gäste warten dann auch am 9. Oktober am Festabend im Apollotheater auf neue Gäste des CVJM. CVJM-Präses Stefan Haus lädt zu einem Abend „zum Feiern, zum Innehalten und zum Dankbarsein“ ein. /cv

