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Superintendentin predigt: Lukas-Gemeinde verabschiedet sich von der Erlöser-Kirche
9.7.2026

Ein letzter Gottesdienst, ein letztes Mal Gebet, Gesang und der Blick auf den vertrauten Chorraum. Die Lukas-Kirchengemeinde Siegen hat sich in einem Gottesdienst von ihrer Erlöser-Kirche verabschiedet.
Pfarrer Ralf Prange erinnerte zu Beginn daran, wie die Erlöser-Kirche gebaut und geplant worden war: „Am 5. September 1965 die feierliche Einweihung. Und heute müssen wir die Entwidmung feiern, weil die Zahlen an vielen Stellen so nicht mehr so sind wie damals.“
Sehr erhellend sei der Blick in die Festschrift gewesen. „In der damaligen Kirchengemeinde Siegen – Trupbach-Seelbach und Kaan-Marienborn gehörten dazu – gab es 35 000 Evangelische. Das sind ungefähr dreimal so viele wie heute. Diese Zahl lässt nachdenken und verstehen, warum wir als Kirche uns verändern wollen.“
Traurig sei es trotzdem. Die Kirche sei die Seele der Winchenbach gewesen, zitierte Ralf Prange eine Tageszeitung. Ralf Prange hob auch die Werke des Bad Berleburger Künstlers Wolfgang Kreutter hervor, der die „Erlöser“-Kirche damals mitgestaltete. Die an eine Dornenkrone erinnernde Fensterseite, der Taufstein und der Abendmahlstisch tragen seine Handschrift.
1965 bis 2026 – ganze Generationen wurden in der Kirche getauft, konfirmiert und getraut. Rund 3000 Gottesdienste fanden statt. Trauer und Glück, aufblühendes Gemeindeleben und Ernüchterung angesichts sinkender Mitgliederzahlen liegen in den rund 60 Jahren dicht beieinander. „Hier wurde zusammen gesungen, gehofft, gefeiert und gebetet. Und klar: Ein solcher Ort ist mehr als ein Gebäude.“ Das sagte Superintendentin Kerstin Grünert, die zur Entwidmung der Kirche die Lukas-Gemeinde begleitete.

„Es ist ein trauriger Anlass, ein denkwürdiger Anlass“, betonte die leitende Theologin mit Blick auf diesen letzten Gottesdienst. Und doch habe man mit einem fröhlichen Musikstück den Gottesdienst beschwingt begonnen. „Beides nebeneinander: Hier diesen durchbeteten Raum eurer Erlöser-Kirche zu entwidmen und aber trotzdem fröhlich in die Gemeinschaft zu starten.“
Für die Superintendentin war es das erste Mal in ihrer Amtszeit, dass sie eine Entwidmung vornehmen/durchführen musste. „Hier zu stehen und zusammen zu sagen: Das war's. Das ist auch für mich denkwürdig und bemerkenswert.“
Die Theologin stellte auch klar, wie bedeutend eine Entwidmung für eine Gemeinde sei. „Ein Kirchraum ist ein Ort für Gemeinschaft. Und deshalb wäre es unaufrichtig, so zu tun, als ginge es nur um eine organisatorische Veränderung. Es ist ein Abschied und Abschiede tun weh.“
Kerstin Grünert zog Parallelen zum Auszug Abrahams aus seiner Heimat. „Wo Abraham den Auftrag Gottes erhält: ‚Mach dich auf und verlasse deine vertraute Umgebung.‘“ Der Text sei eine ungeheure Zumutung. Man stelle sich vor, man solle alle zurücklassen, die Menschen, das Gewohnte. Ein echter "Aufbruch", aber auch ein Blick in die Zukunft. Dankbarkeit und Wehmut. „Aber auch ein Ausblick: Ich gehe mit dir und halte etwas für dich bereit.“
Kerstin Grünert wandte sich direkt an die Gemeinde: „Dieser Ort wird nicht mehr Gottesdienststätte sein. Aber die Gemeinschaft gibt es weiterhin. Kinder werden weiterhin getauft, Menschen getraut und bestattet. Das kirchliche Leben geht weiter.“
Gleichwohl sei sie unsicher, gab die Superintendentin zu. „Je öfter wir argumentieren, dass Kirche mehr sei als Steine und ein Dach, desto unsicherer fühlt es sich an. Ist eine Kirche nicht ein Ort der Sicherheit und Beständigkeit hinweg?"

Die Kirche, in der man groß geworden sei, verändere sich. Kerstin Grünert: „Wir verlassen ganz viele Routinen und brechen Gewohntes auf. Aber wir tun das, weil wir daran festhalten, dass Gottes Verheißung jenseits von allen Steinen und Strukturen bleibt. Denn so haben wir eine Zukunft und die Hoffnung, dass seine Kirche die Wirren der Zeit übersteht und weiterhin Menschen in seinem Namen zusammenkommen.“
Dieses Zusammenkommen fand nun das letzte Mal in der Erlöser-Kirche statt, die mit ihrem Turm die Winchenbach vom Waldrand dominiert. Doch dank vieler treuer Gemeindemitglieder, dem Evangelischen Kirchenchor Siegen unter Leitung von KMD Ute Debus und dem Posaunenchor Siegen-Mitte, der von Gert Mudersbach dirigiert wurde, feierte man den letzten Gottesdienst mit viel Gesang und Musik.
Und mit Abkündigungen: Die zeugen von Gottesdiensten in der Nikolaikirche, von Konzerten und einem intakten Gemeindeleben. Man merkt, dass es weitergeht.

Doch was passiert nun mit dem Gebäude der einstigen Kirche? Antworten dazu hat das Presbyterium transparent veröffentlicht. „Die nötigen Schritte zur Entwidmung der Erlöser-Kirche beim Kreis- und Landeskirchenamt sind eingeleitet. Mit der Denkmalschutzbehörde wurden erste Gespräche geführt.“ Optionen zur Nachnutzung der Kirche konkretisieren sich: Es sind Appartements im bisherigen Kirchraum denkbar. /cv

