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Ökumenische Pfarrkonferenz: Zeichen für Demokratie setzen

6.7.2026

© Kirchenkreis Siegen-Wittgenstein

Der erstarkende Rechtsextremismus ist ein Thema, das sowohl die evangelische als auch die katholische Kirche beschäftigt. Die Kirchen der Region sehen darin eine große Herausforderung.

Deshalb nutzten das Dekanat Siegen und der Evangelische Kirchenkreis Siegen-Wittgenstein ihr bewährtes Format der ökumenischen Pfarrkonferenz, um sich gemeinsam mit diesem Thema auseinanderzusetzen. Superintendentin Kerstin Grünert und Dechant Karl-Hans Köhle luden gemeinsam zur Pfarrkonferenz ein. 

Referenten aus der Region

 

Als Referierende waren Dr. Peter Neuhaus und Annelie Wirke vom Hilchenbacher DemokraTisch sowie Lorenz van Overloop von der Universität Siegen zu Gast.

Referent Lorenz van Overloop erinnerte an die beklemmende Geschichte des Christentums während des Nationalsozialismus in Deutschland und auch im Siegerland. Mit Blick auf die Geschichte der katholischen und evangelischen Kirche im Dritten Reich stellte der Referent für politische Bildung, Antisemitismuskritik und Rechtsextremismusprävention im Verein für Politische Bildung Siegen nüchtern fest: „Nein, man steht als Kirche nicht automatisch auf der richtigen Seite.“

© Kirchenkreis Siegen-Wittgenstein

Diese These untermauerte Lorenz van Overloop mit dem Pakt Mussolinis mit Papst Pius XI., der Zusammenarbeit der Kirchen in Deutschland mit Vertretern des Nationalsozialismus sowie dem geringen Widerstand innerhalb der Kirchen gegen das damalige Regime. „Ja, es gab Widerstand wie von Bonhoeffer. Aber im Ganzen war es eine Gleichschaltung der Kirchen“, so Lorenz van Overloop.

Mit Blick auf die heutige rechte Ideologie sowie die aktuell erstarkenden rechten Bewegungen und Parteien mahnte van Overloop: „Man muss aufpassen, mit wem man paktiert und wo man Grenzen zieht.“

Zugleich ermutigte Lorenz van Overloop die versammelten Kirchenvertreterinnen und Kirchenvertreter, sich für diejenigen einzusetzen, die angegriffen oder ausgegrenzt werden. Gerade das Kirchenasyl sei aus der direkten Erfahrung mit dem Nationalsozialismus entstanden.

 

Einen lokalen Blick auf eine rechte Partei warfen auch die Vertreterinnen und Vertreter des Hilchenbacher DemokraTischs. Sie engagieren sich gegen das Auftreten der rechten Partei „Der III. Weg“, deren Vertreter in Hilchenbach ein Haus erworben hat und mittlerweile im Hilchenbacher Rat sitzt. Dr. Peter Neuhaus warnte vor den Bemühungen der rechten Partei, insbesondere unter Jugendlichen neue Anhänger zu rekrutieren.

Seine Mitstreiterin Annelie Wirke betonte, dass man sich nicht „vor den Karren spannen lassen will.“ Vielmehr versuche man, Menschen in Hilchenbach wieder neu für die Demokratie zu begeistern. Sie erinnerte an die erste Veranstaltung des „Hilchenbacher DemokraTischs“ in der evangelischen Kirche, an der über 200 Menschen teilgenommen hatten.

Wie wichtig Demokratie und ein gutes Miteinander sind, unterstrichen Dechant Karl-Hans Köhle und Superintendentin Kerstin Grünert im Zuge der Pfarrkonferenz in einer gemeinsamen Auslegung von Epheser 2,14: „Denn er ist unser Friede. Er vereinigte die beiden Teile und riss die trennende Wand der Feindschaft in seinem Fleisch nieder.“

„Ist das wirklich so einfach? Brauchen wir Menschen nicht auch Grenzen?“ fragte sich Superintendentin Kerstin Grünert. Der Mensch brauche doch Grenzen, Heimat und Identität. Man erlebe, wie Menschen nach Orientierung suchen. Viele sorgen sich um die Zukunft unseres Landes, um den gesellschaftlichen Zusammenhalt, um Sicherheit und Freiheit.

Dechant Karl-Hans Köhle erinnerte daran, dass man als Christ „miteinander streiten – und doch Geschwister bleiben“ könne.

© Kirchenkreis Siegen-Wittgenstein

Kerstin Grünert betonte, dass das „auch für unsere Demokratie wichtig zu sein scheint. Demokratie lebt vom Streit um die besseren Argumente. Aber sie lebt ebenso davon, dass wir einander als Menschen achten und die Würde des anderen nicht infrage stellen.“ Freiheit bedeute eben nicht nur, die eigene Meinung sagen zu dürfen. Freiheit bedeutet auch, dem anderen denselben Raum zuzugestehen.

„Und genau hier berühren sich demokratische Kultur und christlicher Glaube. Nicht weil sie dasselbe wären“, untermauerte Dechant Karl-Hans Köhle. „Sondern weil das Evangelium uns daran erinnert, dass jeder Mensch Ebenbild Gottes ist. Deshalb können wir Überzeugungen kritisieren, wir können entschieden widersprechen – aber wir dürfen den anderen nie seiner Würde berauben.“ /cv

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