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Tag der Balance: Fragen nach der Einheit von Körper und Seele

24.4.2026

Jugendreferent Arnd Kretzer, Superintendentin Kerstin Grünert, Pfarrer Ralph van Doorn (v.l.n.r.)
© Kirchenkreis

Der Tag der Balance hat Zeichen gesetzt. Der Kirchenkreis Siegen-Wittgenstein hat damit als Arbeitgeber ein Zeichen gesetzt, dass die Gesundheit der Menschen, die in Kitas, Pfarrstellen, der Ehe-, Familien- und Lebensberatung und in der Verwaltung des Kreiskirchenamtes arbeiten, wichtig ist.

Dass auch die Bibel das Thema Körper und Seele nicht ausklammert, verdeutlichen Andachten zu Beginn der drei Tage der Balance. Denn sowohl hebräische Gelehrte wie auch griechische Denker machten sich Gedanken darüber, wie das mit Körper und Geist beschaffen ist.

Dazu sprach auch Superintendentin Kerstin Grünert, die gut gelaunt die Teilnehmenden im Team-Sport-Park im Leimbachtal begrüßte.

„Lange Zeit galt der Körper im Christentum als etwas Nachgeordnetes. Als Hülle. Als Gefäß. Das Eigentliche sollte innen stattfinden, im Geist, im Glauben, im Denken.“ So blieb der Körper zurück. Etwas, das man im Zaum halten musste. Etwas, dem man misstrauen konnte.

„Und doch gibt es in der Bibel eine ganz andere Sicht. Eine, die mich jedes Mal neu berührt. Im Alten Testament richtet sich der Blick nicht zuerst nach außen. Körper ist dort vor allem Innenraum“, betont Superintendentin Kerstin Grünert. Sie erinnert daran, dass die Bibel den Körper als Ort sieht, an dem Leben geschieht. „Herz, Kehle, Nieren, Gebärmutter – sie werden zu Orten der Gottesbegegnung. Zu Räumen, in denen Gott nicht fern ist, sondern gegenwärtig.“

Mit dieser Gewissheit fällt es der Sportlerin Grünert dann auch leichter, dafür dankbar zu sein für das, was man mit dem eigenen Körper verbindet.

In einem Gebet dankte die leitende Theologin Gott dafür, „auch an den Tagen, an denen mir diese Dankbarkeit schwerfällt. An Tagen, an denen ich mich selbstkritisch mustere. An denen mein innerer Schweinehund lauter ist als meine guten Vorsätze. An denen ich liegen bleibe, statt aufzustehen.“

Und dann erinnert Kerstin Grünert auch an die Tage, „an denen ich meine Laufschuhe schnüre und spüre: Mein Körper lebt.“

Damit ist die Läuferin ganz dicht bei den Mitarbeitenden des Kirchenkreises, die nach Tagen der Balance vielleicht den einen oder anderen Muskelkater mit nach Hause nahmen, aber glücklich sind, dass sie etwas für sich tun konnten, und zwar für ihren Körper und für ihren Geist.

Dass gerade bei Körper und Geist zwei unterschiedliche Sichtweisen in der Antike entstanden, machte Siegens Studierenden-Pfarrer Ralph van Doorn deutlich. Der erinnerte an die Sicht Platons, die auf der Trennung von Körper und Seele beruht. Der griechische Philosoph sah im Körper das Schlechte, verdammt dazu, sich mit alltäglichen, körperlichen Notwendigkeiten herumzustreiten. „Platon sah im Körper das Gefängnis einer flatternden Seele, die sich nach nichts mehr sehnt als nach Freiheit. Und zu dieser Freiheit ist der Tod notwendig – um der Seele willen.“

Auf diesen Zug seien dann auch christliche Theologen aufgesprungen, so zum Beispiel der Theologe Augustinus. „Und da haben wir den jahrhundertealten Salat“, so van Doorn. So seien noch heute viele der Ansicht, dass man sich eher um das Seelenheil kümmern müsste, als die Gesundheit des Körpers zu schätzen. 

Ralph van Doorn hält es da lieber mit den jüdischen Gelehrten. Die beschäftigten sich mit dem Ausgleich von Körper und Seele. „Hier soll der Leib nicht überwunden werden. Denn die Gesundheit ist ein hohes Gut“, erinnert van Doorn, der im Tag der Balance ein „Gegengift gegen die Trennung von Körper und Seele".

Auch Jugendreferent Arnd Kretzer gab den Teilnehmenden zum Start der Tage der Balance einige Worte mit auf den Weg. Er sprach vom Alltag, der „oft schnell, laut und fordernd ist“ Termine, Verpflichtungen, Erwartungen – all das zehrt an den Kräften.“

Arnd Kretzer: „Es reicht nicht, nur körperlich fit zu sein. Auch die Seele braucht Ruhe, und der Geist braucht Orientierung.“

Dazu bot sich nun erstmals am Tag der Balance Gelegenheit.

Christian Völkel

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