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"Mit Gefühl! Sieben Wochen ohne Härte" - O-Töne aus dem Kirchenkreis

18.2.2026

Andreas Kroh, Kerstin Grünert, Ralph van Doorn, Silke Grübener, Dorothee Rink (v.l.n.r.)
© Kirchenkreis Siegen-Wittgenstein
Andreas Kroh, Kerstin Grünert, Ralph van Doorn, Silke Grübener, Dorothee Rink (v.l.n.r.)

Da geht einem das Herz auf. Sieben Wochen ohne Härte. Bleibt das ein Traum oder schafft es der Traum, zumindest in der Fastenzeit Wirklichkeit zu werden? Dieser Herausforderung stellen sich viele Menschen, die bei der Fastenaktion vom 18. Februar bis 6. April mitmachen. Es ist die Zeit zwischen Aschermittwoch und Ostern. Seit mehr als 30 Jahren lassen sich Menschen von der Initiative der evangelischen Kirche ansprechen. Eröffnet wird die Fastenaktion durch den live übertragenen ZDF-Gottesdienst am Sonntag, 22. Februar, in diesem Jahr aus der St.-Albani-Kirche in Göttingen um 9 Uhr, begleitet von dem Fastenkalender via Print oder als App und den wöchentlichen Impulsen per Fastenmail. Vernetzt durch die Fastengruppe-Suche ist es möglich, aktive Gruppen und digitale Veranstaltungen zu finden und in den Austausch zu gehen.

 

Mit der biblischen Erzählung von Jesus, der nach seiner Taufe in die Wüste geht und dort 40 Tage und Nächte fastet, findet die christliche Fastentradition ihren Ursprung. Trotz dieser harten Grenzerfahrung in der Wüste ging Jesus eben nicht hart mit Menschen um. Darin liegt der große Unterschied zu uns, die wir oft schlechte Erfahrungen und Gefühle an unsere Mitmenschen weitergeben. Jesus war mitfühlend und emphatisch im Umgang mit Menschen. Er hatte sein Gegenüber im Blick, gab Orientierung, zeigte Perspektiven auf und einen neuen Horizont und das auch heute. Durch den Verzicht von Härte kann sich also auch eine Chance eröffnen zu mehr „Mit Gefühl!“, wie es im Fastenmotte heißt.

 

Warum also fasten Menschen Jahr für Jahr oder eben auch nicht? Was verbinden sie eigentlich heute mit dem Begriff des Fastens? Und mit welcher Motivation, mit welchem Ziel gehen Menschen in die Fasten- und die Passionszeit? Dazu einige O-Töne aus dem Evangelischen Kirchenkreis Siegen-Wittgenstein: 

Andreas Kroh, Krankenhausseelsorger in der Klinik Wittgenstein

„Solche Zeiten erinnern immer wieder daran, einmal über das Thema ´Verzicht` nachzudenken. Dazu zählt vor allem die Passionszeit. Sie erinnert an Leiden und Sterben Jesu. Um vielleicht gleich am Anfang deutlich zu sagen, bedeutet Verzicht für mich nicht auf irgendetwas eine Zeit lang beinahe krampfhaft zu verzichten, um dann nach der Fastenzeit umso mehr wieder zu konsumieren. Eine solche Form von „Verzicht“ empfinde ich als etwas abwegig. Ich würde Fasten, Verzicht für mich als einen christlichen Impuls beschreiben. Dieser Impuls hat für mich etwas mit Vertiefung und Reflexion des Glaubens zu tun. Neben der Vertiefung und Reflexion würde ich auch noch den Perspektivwechsel nennen. Ich entdecke etwas neu, ich wieder. Davon könnte ich sogar mehr haben. Das hilft mir, es tut gut. Das Leben wird vielseitiger und vielschichtiger. Fasten und Verzicht haben daher für mich vor allem mit Gewinn zu tun.“

Kerstin Grünert, Superintendentin des Ev. Kirchenkreises Siegen-Wittgenstein

„In diesem Jahr nehme ich mir bewusst Zeit für die Fastenzeit – nicht aus Pflicht, sondern weil ich eine Pause von der inneren Härte brauche: dem ständigen Funktionieren, den schnellen Urteilen, dem strengen Blick auf mich selbst. Die Aktion „7 Wochen Ohne“ lädt mich ein, bewusst umzudenken – nicht einfach zu verzichten, sondern mit mehr Gefühl und Achtsamkeit durch den Alltag zu gehen. Das Motto „Mit Gefühl! Sieben Wochen ohne Härte“ trifft genau das, was mir im Moment wichtig ist.

Ich faste nicht klassisch, indem ich auf bestimmte Nahrungsmittel verzichte. Das klappt sowieso nicht. Stattdessen versuche ich, Raum für mehr Sanftheit zu schaffen

Meine Motivation ist nicht, „besser“ zu werden, sondern echter. Ich möchte die Härte, die sich in Stress, Leistungsdruck oder Selbstkritik zeigt, erkennen und ihr etwas entgegensetzen: Mitgefühl, Nachsicht, Freundlichkeit.“.

Ralph van Doorn, Studierendenpfarrer in der ESG

Fasten als geistliche Übung war Jesus von Nazareth fremd. Vielmehr ging das Gerücht herum, Jesus sei ein Fresser und Weinsäufer (Lukas 7,34). Gleichwohl wird erzählt, dass Jesus am Anfang seines Weges 40 Tage in der Wüste fastete und all den üblen Versuchungen des Bösen widerstand. In seiner späteren Verkündigung spielt das Fasten aber kaum eine Rolle. Wer eng interpretiert, wird das Fasten nicht lauthals als Werk der Nachfolge deklarieren. Angesichts dieses Befundes ist es schon merkwürdig bzw. ein wenig komisch, dass „Fasten fast bis zum Tode“ später als edle Form des Gottesdienstes erscheinen konnte. Etliche „Heilige“ werden bis heute dafür gerühmt, dass sie die totale Askese betrieben und alles das, was Spaß macht, dem Herrn opferten. Biblisch ist dieses asketische Ideal sicher nicht. Der Bibel eher gemäß ist die Freude an Gottes guter Schöpfung und ihren Gaben und der verantwortliche solidarische Umgang mit diesen Gaben.

Ich persönlich muss jeden Tag sehr auf meine Ernährung achten, da ich mit vielen Lebensmitteln nicht klarkomme. Normales Brot und Kuhmilchprodukte machen mich sehr schnell sehr krank. Also hatte ich zu lernen, nach alternativen Produkten zu suchen.

Da ich Diabetes habe, esse ich nur mittags um 12 und abends gegen 20.00 Uhr. Das tue ich nicht aus geistlichen Gründen. Diese Praxis hilft mir, mit der Krankheit umzugehen.

Allerdings lernte und lerne ich durch diese Praxis, Essen und Trinken nicht als selbstverständlich und jeder Zeit verfügbar anzusehen. Das stärkt mein Gefühl für Dankbarkeit sehr. Und dankbar zu sein ist ein hohes Gut, das nach meiner Wahrnehmung nach wichtig ist für uns Menschen.

Die Stunden zwischen morgens 5.00 Uhr bis 12.00 Uhr liegen in der Phase meines „16 Stunden Fastens“. Tatsächlich kann ich in dieser Zeit des Tages am besten arbeiten. Da bin ich sehr konzentriert und – wenn es mir geschenkt wird – kreativ. Nach dem Essen in der Mittagszeit fällt die kreative Kraft – Kurve radikal in den Keller. Ca. 4 Stunden vor der abendlichen Mahlzeit krabbelt die Kurve wieder nach oben.

Fasten hat also sicher einen tiefen Sinn. Wenn es dazu dient, ein dankbarerer Mensch zu werden und sich selber besser kennenzulernen.

Das Motto 2026 „Gefühl! Sieben Wochen ohne Härte“ gefällt mir sehr gut. Es erinnert mich an den zarten und barmherzigen Umgang Gottes mit den Seinen und seiner Welt.

Diese Zärtlichkeit Gottes, die das Leben der auf Gott Vertrauenden zutiefst prägen will, möge uns aber bitte 365 Tage im Jahr frohmachen.

Silke Grübener, Geschäftsführung, Erlebnisguide im Abenteuerdorf Wittgenstein

In den letzten Jahren habe ich schon mal Schokolade oder Cola gefastet. Das war schon eine Herausforderung, auf lieb gewordene Dinge wochenlang zu verzichten - dann aber auch ein besonderer Moment, wieder das erste Stück Schokolade zu genießen. Manches Mal hat dieses Fasten den stressigen Alltag aber auch noch stressiger gemacht.

Ich habe damals überlegt, ob ich statt einem solchen Verzicht nicht etwas mit einem zusätzlichen Wert machen könnte, das mich weiterbringt. Dazu haben mich die Fastenaktionen der Ev. Kirche angesprochen. 7 Wochen ohne Geiz, ohne Pessimismus, ohne Verzagtheit usw.

Das Thema 2026 „7 Wochen ohne Härte“ finde ich sehr aktuell und zugleich auch herausfordernd. Ich habe mir spontan den Fastenkalender gekauft und bin jetzt sehr gespannt, was ich darin entdecke.

Dorothee Rink, Geschäftsbereichsleitung Finanzen im Kreiskirchenamt Siegen-Wittgenstein

„Ich fasste nicht in der Fastenaktion 7-Woche-Ohne, da ich durch meine Vollzeitberufstätigkeit und die Pflege von zwei Personen unter großer Belastung stehe. Aber: Ich faste das ganze Jahr an 3 Tagen mit der 16:8 Fasten Methode, also Fasten im Kleinen, aus gesundheitlichen Gründen, bisher weniger um Besinnung zu finden. Das Fastenmotto spricht mich an, vor allem die Kraft zu finden, menschlich zugewandt und neugierig zu bleiben. Was in meiner besonderen Belastungssituation jeden Tag eine neue Herausforderung darstellt, sich aber immer lohnt.“

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