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Kirchliches Leben kabarettistisch auf die Schippe genommen

16.2.2026

© Claudia Irle-Utsch
Pfarrer Maybach nahm bei seinem Gastspiel in der ev. Kirche Eisern kirchliches Leben humorvoll auf die Schippe.

von Claudia Irle-Utsch

 

Es glitzert in der Eiserner Kirche. Ein silbern glänzender „Lametta“-Streifen vor kräftigem Blau bildet die Kulisse für einen Pfarrer, der mit humorvoll-bissigem Blick das kirchliche Leben unter die Lupe nimmt – vorwiegend heiter, mitunter überraschend, mit Wortwitz und auch mit Musik. Sein „Wort zum Sonntag“ buchstabiert das „CSU“ anders aus: Pfarrer Maybach ist mit „Christlich Satirischer Unterhaltung“ unterwegs – und seine Show lockte jetzt ein interessiertes Publikum an.

Eingeladen hatte der Förderverein für Gemeindearbeit der Ev.-ref. Emmaus-Kirchengemeinde Siegen (Gemeindebezirk Eisern). Seitens des Vorstands hieß Wolfgang Petri – in Vertretung vor Vorsitzenden Thorsten Langenbach – die Gäste auf den Kirchenbänken und dann eben auch den Kabarettisten Ingmar Maybach willkommen. Der machte „Mut zum Personenkult“ und damit auch Lust darauf, jene zu feiern, die allsonntäglich im Gotteshaus auflaufen, um den Gottesdienst zum Fest werden zu lassen: An der Orgel ..., für den Blumenschmuck ..., für die Predigt ... Zwar wollte Stadion-Atmosphäre nicht gleich ansatzlos aufkommen, aber doch der Applaus für „Vater! Sohn! Und Heiliger Geist!“.

Pfarrer Maybach besang das homiletische Dreieck und damit die krisenhafte Suche nach dem Predigttext. Er besang auch die gemeindliche Anspruchshaltung, dass doch jede, aber auch jede Veranstaltung „bitte mit Pastor“ stattfinden möge, und er sang die Antworten auf all die Fragen, die ihm immer mal wieder gestellt oder auch nicht gestellt worden sind.

Er warb für den Zielgruppen-Gottesdienst auch für Vielflieger („Ihr Gesangbuch befindet sich unter Ihrem Sitz“) und erzählte aus seiner Pfarrerszeit im immer noch ziemlich roten Odenwald-Dorf Ueberau. Hier passte seine Übertragung des Gleichnisses vom Schalksknecht gut hinein, neu betitelt als „Das Gleichnis vom gierigen Bankmanager“, der eben nicht Gnade vor Recht walten lässt, auch wenn er solches soeben selbst erfahren hat ...

© Claudia Irle-Utsch
Gut besucht war Anfang Februar die „Christlich Satirische Unterhaltung“ (kurz: „CSU“) mit Pfarrer Maybach in der ev. Kirche Eisern.

 

Ein Highlight in Maybachs Programm: die Geschichte von der Braut, die sich traut, nach vielem Hin und Her und Her und Hin kurz vor der Hochzeit dann doch auf einen anderen Austragungsort ihres „schönsten Tages“ umzuschwenken. Der Reifrock des Brautkleids ist zu breit für den Durchgang zum Altar. Oweh! Auch deshalb nähme der Pfarrer, die Pfarrerin lieber zwei Beerdigungen als eine Hochzeit, sagt jedenfalls der Kirchenkabarettist in Eisern. Apropos Beerdigung: Hier galt Maybachs Augenzwinkern dem Pfarrer am Strand, der beim Burgenbau immer im Dreier-Rhythmus schippt. „Erde zu Erde, Asche zu Asche, Staub zu Staub ...“

Zum guten Schluss des anderthalbstündigen Programms gab es die Ermutigung zum Infotainment am Ende eines Gottesdienstes. Den „Gemeindeglieder-Strömungsfilm“ präsentierte Maybach als Claudia-Kleinert-Double – mit blondem Wallehaar und mit gestenreichen Hinweisen zum Gemeinde-Klima. Die Rede war von Turbulenzen im Gemeindehaus, vom Pegelstand für die neue Orgel und vom Niederschlag im Klingelbeutel. Abkündigungen auf die meteorologische Art in einer an diesem Abend leider recht kühlen Kirche. Und dann: Applaus!

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