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Kirche im Winter
Kirchengemeinden reagieren flexibel
7.1.2026

Wenn das Quecksilber zwischen Niederdresselndorf und Eslohe, zwischen Girkhausen und Oberfischbach frostige Temperaturen anzeigt, wird es zur Herausforderung, eine Kirche zu heizen. Eine Nachfrage im Kirchenkreis zeigt, wie flexibel die Gemeinden zwischen Januar und März reagieren – mit teils überraschenden Ergebnissen.
So weicht die Kirchengemeinde Kaan-Marienborn im Winter bereits im Oktober mit Gottesdiensten auf das Gemeindehaus aus. Das wird für Gruppen, Kreise und den Kindergarten genutzt. "Damit wird das sowieso geheizt“, so Pfarrerin Lea Klaas. Das Gemeindehaus sei umweltfreundlicher heizbar als die Kirche.
Die Kirchengemeinde Freudenberg spart im ganzen Jahr. Pfarrer Thomas Ijewski: „Bei uns in Freudenberg ist es ganz einfach. Wir feiern jeden zweiten Sonntag in der Kirche, ansonsten im Gemeindezentrum; dies aber auch im Sommer, weil wir früher zwei Gottesdienste in beiden Gebäuden parallel hatten.“ Jetzt feiert man in Freudenberg nur noch einen Gottesdienst.
Pfarrer Steffen Post meldet aus Bad Laasphe, dass man zu Beginn des Jahres 2026 die Winterkirche erneut aussetzen werde. Durch den Rhythmus des Gottesdienstplanes in den Wintermonaten von Januar bis März finden höchstens vier bis fünf Gottesdienste in der Ev. Stadtkirche statt. „Für diese geringe Zahl lohnt der organisatorische Aufwand nicht, das Gemeindehaus umzuräumen“, so Steffen Post. Gleichwohl hat man in Bad Laasphe Erfahrung mit der Winterkirche: „Wir haben viele Jahre lang regelmäßig Winterkirche in Bad Laasphe und Niederlaasphe mit Gottesdiensten im Gemeindehaus in Bad Laasphe und im an den Kirchraum angrenzenden Gruppenraum in der Kirche Niederlaasphe durchgeführt. „Wie wir uns hinsichtlich Winterkirche ab 2027 aufstellen, wird dann von konzeptionellen Überlegungen hinsichtlich Gebäude und Personalsituation abhängen, die im nächsten Jahr anstehen“, so Steffen Post.
Der Blick in die Evangelisch-Reformierte Kirchengemeinde Dreieinigkeit im Bezirk Netphen verrät, dass dort von Januar bis Februar 2026 die Martinikirche für die Sonntagsgottesdienste geschlossen bleibt. Stattdessen weicht die Gemeinde auf das Gemeindehaus aus.
In den Bezirken Dreis-Tiefenbach und Deuz wird auf die Winterkirche verzichtet. Insgesamt halten sich laut Pfarrer Bernd Münker die finanziellen Einsparungen durch weniger Energieverbrauch in Grenzen. In Netphen hat die Gemeinde insofern gute Erfahrungen mit der Winterkirche gemacht, als die älteren Gemeindeglieder leichter zum Gemeindehaus in der Lahnstraße gelangen können. Das Gemeindehaus liegt im Tal, der beschwerliche Gang hinauf auf den Felssporn zur Martinikirche entfällt.
Klaus Saßmannshausen berichtet aus Girkhausen, dass die Kirchengemeinde Girkhausen in den Monaten Januar bis März das Konzept der Winterkirche nutzt. „Die Heizung wird dann komplett abgestellt Mit den Gottesdiensten und Veranstaltungen weichen wir in dieser Zeit in den Treffpunkt Oster in das ehemalige Gemeindehaus aus. Wir machen die Winterkirche jetzt seit drei Jahren.“ In den drei Monaten Winterkirche habe man bereits viel Heizöl eingespart.
Finanzkirchmeister Paul Gerhard Loos berichtet aus Oberfischbach. Dort habe man bereits im September 2022 die Einrichtung der Winterkirche beschlossen. Genutzt wird seitdem das Gemeindezentrum, welches mit der Johanneskirche verbunden ist.
Die Gemeinde setzt in Oberfischbach weiter auf die Winterkirche. Paul Gerhard Loos: „Alles in allem bin ich der Meinung, dass die Gegebenheiten wie die Erhöhung der Gaspreise zu Beginn 2025 und die entsprechende Einsparung von Treibhaus-Emissionen unterm Strich für eine gute Akzeptanz der Winterkirche bei den Gottesdienstbesucherinnen und -besuchern sorgen und gesorgt haben.“
Nicht unerwähnt lässt der Finanzkirchmeister den Aufwand, den ein Umzug in das Gemeindezentrum bedeutet. So muss zu Beginn der Winterkirche die Video- und Tontechnik in der Johanneskirche ab- und im großen Saal des Gemeindezentrums aufgebaut werden. Bühne und Abendmahlstisch werden aufgebaut und auch die Bestuhlung arrangiert. Der Umzug erfordert auch die Absprache mit anderen Nutzern wie der Sonntagsschule.
Wichtig: Die Kirche wird auch ohne Gottesdienste für die Zeit der Winterkirche weiter überwacht. So senkt man die Temperatur und überwacht die Luftfeuchte durch Datenlogger beziehungsweise eine Dokumentation des Kirchmeisters.
Auch in Weidenau zieht die Gemeinde im Winter um. Wie schon in den Vorjahren schließt man in Weidenau am 1. Januar die Kirche. Die Haardter Kirche öffnet dann wieder Ende März 2026. Bis dahin finden Gottesdienste um 9.30 Uhr im Gemeindezentrum Haardter Kirche sowie weiterhin um 11 Uhr in der Christuskirche statt.
Die Lukas-Kirchengemeinde in Raumland setzt laut Pfarrer Dirk Spornhauer seit einigen Jahren in einigen Kirchen der Gemeinde auf Winterkirche. Damit habe man gute Erfahrungen gemacht, so Spornhauer. Man ist mit den Gottesdiensten in Arfeld und Raumland ab dem 1. Januar in die nahegelegenen Gemeindehäuser umgezogen. In Berghausen, Weidenhausen und in Richstein werden die Gottesdienste weiterhin in den Kirchen stattfinden, weil es keine nennenswerten Einsparungen durch die Winterkirche gegeben hat und auch keine guten Alternativen bestehen. In den Kapellen Dotzlar und Sassenhausen werden keine Gottesdienste stattfinden. Diese Regelung gilt für den Zeitraum vom 1. Januar bis Ende März 2026.
Pfarrer Tim Elkar meldet aus Neunkirchen, dass die Kirchengemeinde aufgrund der hohen Gottesdienstbesucherzahlen keinerlei Räumlichkeiten hat, in die man ausweichen könnte, so dass man alle Gottesdienste in der Kirche feiere. „Die Temperaturen werden wir, um weiterhin Gastlichkeit zu erzeugen, nicht absenken. In den letzten Jahren waren die Gottesdienstbesucherzahlen so hoch, dass wir auch damals nicht ausgewichen sind“, betont Tim Elkar.
Christian Völkel

